Politik

Dieren: „Es darf nicht vom Glück beim Chef abhängen, ob Beschäftigte pünktlich Feierabend machen können.“

Werbung

Dieren: „Es darf nicht vom Glück beim Chef abhängen, ob Beschäftigte pünktlich Feierabend machen können.“

Der Deutsche Bundestag hat am Freitag über Anträge der Fraktionen Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen zum Schutz des Achtstundentages und zu einer modernen Arbeitszeitpolitik beraten. Hintergrund der Debatte sind Forderungen nach einer stärkeren Flexibilisierung der Arbeitszeiten und einer Abkehr von einer täglichen Höchstarbeitszeit.

Jan Dieren (SPD), Bundestagsabgeordneter für die Menschen in Moers, Krefeld und Neukirchen-Vluyn, sprach sich in der Debatte deutlich gegen eine Abschaffung des Achtstundentages aus. „Bei manchen Wortmeldungen in der politischen Debatte könnte man das Gefühl bekommen, der Achtstundentag sei eine alte Reliquie, die man endlich loswerden müsse. Das ist nicht so“, betonte Dieren.

Zur Veranschaulichung schilderte Dieren die Erfahrungen einer Beschäftigten aus dem Gastgewerbe aus seiner Heimatstadt Moers. Diese habe in ihrem früheren Arbeitsverhältnis regelmäßig weit über acht Stunden hinaus gearbeitet und sich häufig unter Druck gesetzt gefühlt, länger zu bleiben. „Die Beschäftigten übernehmen heute schon oft genug Verantwortung für ihre Kolleginnen und Kollegen und ihre Unternehmen. Dabei stellen sie ihre eigenen Bedürfnisse häufig hinten an“, erklärte Dieren.

Der Achtstundentag schütze Beschäftigte insbesondere in Situationen, in denen Interessen von Arbeitgebern und Beschäftigten in Konflikt geraten. „Es darf doch nicht vom Zufall oder vom Glück beim Chef abhängen, ob Menschen sich trauen, rechtzeitig Feierabend zu machen, um ihre Kinder von der Kita abzuholen, einen Arzttermin wahrzunehmen oder Zeit mit ihrer Familie zu verbringen“, so Dieren.

Zwar gebe es viele Arbeitgeber:innen, die gemeinsam mit ihren Beschäftigten gute und flexible Lösungen fänden. Gleichzeitig gebe es aber auch Arbeitsverhältnisse, in denen Beschäftigte sich kaum gegen zusätzlichen Druck wehren könnten. „Wenn Beschäftigte in solchen Situationen sagen: ‚Nein, dieses Mal ist mein Bedürfnis wichtiger‘, dann brauchen sie ein Recht, auf das sie sich berufen können. Dieses Recht ist der Achtstundentag“, sagte Dieren.

Der Achtstundentag sei deshalb keine überholte Regelung, sondern ein zentraler Schutz für Beschäftigte. „Wir tun gut daran, ihn nicht leichtfertig aufzugeben“, erklärte Dieren abschließend.

Foto: Inga Haar

Anzeige
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"