
Herten (NRW). In der nordrhein-westfälischen Stadt Herten ist ein für die türkisch-islamische Gemeinschaft bedeutendes Vorhaben erfolgreich abgeschlossen worden: Die DİTİB Herten Hacı Bayram Moschee wurde nach einer umfassenden Sanierung, Erweiterung und dem lang erwarteten Kuppelbau im Rahmen einer feierlichen Zeremonie offiziell wieder in Betrieb genommen.

Die DİTİB Türkisch Islamische Gemeinde zu Herten e.V., die seit 1978 aktiv ist, blickt damit auf einen Meilenstein ihrer Vereinsgeschichte. Aus einer Gemeinschaft, die einst mit bescheidenen Mitteln begann, ist heute ein modernes, barrierearmes und vielseitig nutzbares Moscheezentrum geworden. Das Gebäude an der Ewaldstraße 173 in Herten-Süd fällt nicht nur durch seine erneuerte Architektur auf, sondern auch durch seine gesellschaftliche und religiöse Bedeutung für viele Familien vor Ort.

Umfassende Modernisierung: Kuppel, neues Obergeschoss und Barrierefreiheit
Die bisherigen Räumlichkeiten waren angesichts einer wachsenden Gemeinde zunehmend an ihre Grenzen gestoßen. Im Zuge der Modernisierung erhielt die Moschee unter anderem eine Kuppel, ein neues Obergeschoss, neu gestaltete Innenräume sowie eine große, aus der Türkei stammende Hängeleuchte, die im Gebetsraum einen besonderen Akzent setzt. Ein Aufzug verbessert zudem die Zugänglichkeit für Menschen mit Einschränkungen. Damit ist die Hacı-Bayram-Moschee künftig sowohl für das Gebet als auch für soziale und kulturelle Aktivitäten deutlich funktionaler aufgestellt.

Sieben Jahre Arbeit, rund eine Million Euro – vollständig durch Spenden getragen
Die Realisierung des Projekts erstreckte sich über rund sieben Jahre. Die Planungen begannen 2016, die Umsetzung startete 2019. Trotz der Herausforderungen während der Pandemie wurden die Arbeiten konsequent fortgeführt. Die Gesamtkosten von etwa einer Million Euro wurden vollständig durch Spenden der Gemeindemitglieder finanziert – ohne finanzielle Unterstützung aus der Türkei oder anderen Ländern. Vereinsverantwortliche betonten, dass nicht nur große Spenden, sondern auch kleine Beiträge – etwa aus den Sparbüchsen von Kindern – die ideelle Bedeutung des Projekts zusätzlich unterstreichen.

Von provisorischen Gebetsräumen zum anerkannten Zentrum im Stadtteil
Die Geschichte der türkisch-muslimischen Gemeinschaft in Herten reicht bis in die 1970er Jahre zurück. Erste Gebetsmöglichkeiten entstanden damals im Umfeld von Arbeitsmigration im Ruhrgebiet – unter anderem in einem Kellerraum eines Arbeiterwohnheims an der Roonstraße. Später folgte der Umzug an die Hohewardstraße. 1992 wurde schließlich an der Ewaldstraße 173 eine frühere Autowerkstatt erworben; 1999 zog die Gemeinde dort ein und ist seit rund drei Jahrzehnten an diesem Standort aktiv.

Mit dem Zuzug von Geflüchteten ab 2015 stieg der Bedarf erneut deutlich. Anstatt einen Neubau außerhalb zu verfolgen, entschied sich der Verein bewusst für den Verbleib im Quartier und den Ausbau des bestehenden Gebäudes – auch, damit ältere Gemeindemitglieder die Moschee weiterhin fußläufig erreichen können und die Gemeinde als fester, anerkannter Bestandteil des Stadtteils präsent bleibt.
Breite Gemeinde: offiziell 400 Mitglieder, über 3.000 Menschen im Umfeld
Offiziell zählt die Gemeinde rund 400 Mitglieder. Da in der Praxis häufig nur eine Person pro Familie als Mitglied registriert ist, geht der Vorstand jedoch davon aus, dass das Umfeld der Moschee über 3.000 Menschen umfasst. Über Jahre hinweg trugen Frauen, Jugendliche, Ältere und Kinder mit Spendenaktionen, ehrenamtlicher Arbeit und vielfältigem Engagement dazu bei, dass das Projekt umgesetzt werden konnte.

Prominente Gäste aus Politik, Verwaltung, Diplomatie und DİTİB
Die Wiedereröffnung brachte zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Zu den Gästen zählten unter anderem der Türkische Generalkonsul in Münster Mehmet Özgün Arman, der NRW-Landtagsabgeordnete Carsten Löcker, Hertens Bürgermeister Fred Toplak, die stellvertretende Landrätin Martina Eißing, der DİTİB-Generalsekretariatsvertreter Muhammed Çatmak, der Vorsitzende des Landesverbands Münster Can Kara, der Vertreter der Religionsattaché-Strukturen Turgut Şen, der Vereinsvorsitzende Ziya Demir sowie der aktuelle Imam Ali Gürsoy. Auch frühere Gemeindehodschas wie Kenan Aydın und Mustafa Kurumahmut nahmen teil.

NRW-Abgeordneter Carsten Löcker würdigte die Wiedereröffnung als positives Signal für die Stadt und betonte die Bedeutung solcher Orte für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Zweisprachiges Programm mit Botschaft der Offenheit
Die Veranstaltung wurde zweisprachig (Türkisch und Deutsch) durchgeführt, moderiert von Bekir Uzunoğlu und Hasan Altun. Nach dem Abspielen der deutschen und türkischen Nationalhymne standen in den Ansprachen vor allem Einheit, Zusammenhalt, Bildungsarbeit, Jugendangebote, soziale Unterstützung und Dialog im Mittelpunkt.

Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Hasan Altun verwies auf das bekannte Zitat von Max Frisch („Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen“) und unterstrich, dass die ersten Generationen längst Teil der Stadtgesellschaft seien. Die Moschee solle ein Ort sein, an dem Begegnung gelingt, Vorurteile abgebaut werden und Nachbarschaft gestärkt wird. Besonders hervor hob Altun auch das Zugehörigkeitsgefühl: „Herten ist meine Heimat“, so die zentrale Botschaft seiner Rede.

35 Jahre Sehnsucht nach einer Kuppel – nun Realität
Ein emotionaler Schwerpunkt des Tages war die Erfüllung des langjährigen Wunsches nach einer Moschee mit Kuppel. Der frühere Imam Mustafa Kurumahmut erinnerte an die bescheidenen Anfänge und würdigte die Geduld, das Gebet und die Opferbereitschaft der Gemeinde. In jedem Stein stecke Einsatz, in jeder Ecke Hoffnung – so der Tenor. Besonders die Beiträge von Frauen, Unterstützern und Ehrenamtlichen wurden mehrfach betont.

Geistlicher Rahmen, Eröffnungsgebet und Banddurchschnitt
Das Programm umfasste zudem eine Koranrezitation sowie Beiträge aktueller und ehemaliger Religionsbeauftragter. Auch verstorbene Förderer, die die Fertigstellung nicht mehr miterleben konnten, wurden in Dankbarkeit erwähnt. Zum Abschluss sprach Imam Ali Gürsoy ein ausführliches Eröffnungsgebet, verbunden mit dem Wunsch, dass die Moschee ein Ort von Wissen, Ethik, Zusammenhalt und einer guten Zukunft für Kinder und Jugendliche sein möge.

Mit dem feierlichen Banddurchschnitt durch die protokollarischen Gäste wurde die Hacı-Bayram-Moschee anschließend offiziell wiedereröffnet. Danach nutzten Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, die neuen Räumlichkeiten zu besichtigen. Bei Bewirtung und Gesprächen klang die Veranstaltung in persönlicher Atmosphäre aus.

Blick nach vorn: Jugend- und Sozialarbeit im Fokus
Mit der baulichen Erneuerung verbindet die Gemeinde auch inhaltliche Ziele. Besonders sichtbar wurde dies durch die Jugendgruppe „Nisa Papatyaları“, bestehend aus rund 13 jungen Frauen, die sich in Projekten und Veranstaltungen engagieren. Künftig sollen Angebote für Kinder, Jugendliche, Frauen, Seniorinnen und Senioren sowie kulturelle und interreligiöse Aktivitäten weiter ausgebaut werden.

Die erneuerte Hacı-Bayram-Moschee versteht sich damit nicht nur als Gebetsstätte, sondern als Begegnungs-, Bildungs- und Solidaritätszentrum – und als Zeichen dafür, dass Zusammenhalt in Herten aktiv gelebt wird.

Fotos:Privat