Ibrahim Yetim zum Rücktritt von Bärbel Bas: „Wann haben wir eigentlich aufgehört, anständig miteinander umzugehen?“
Nach dem überraschenden Rücktritt von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas äußert sich der Moerser SPD-Vorsitzende und Bundesvorstandsmitglied Ibrahim Yetim. Wir dokumentieren seine Pressemitteilung im Wortlaut:
Mit großem Bedauern und persönlicher Betroffenheit reagiert der Moerser SPD-Vorsitzende und Mitglied des SPD-Bundesvorstands, Ibrahim Yetim, auf den Rücktritt von Bärbel Bas als Bundesministerin für Arbeit und Soziales.
„Der Rücktritt von Bärbel Bas macht traurig und nachdenklich. Nicht nur, weil sich eine beeindruckende Politikerin zurückzieht, sondern vor allem wegen der Umstände, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Sie sollten uns alle in der Politik innehalten lassen“, erklärt Yetim.
Für ihn wirft dieser Rücktritt die grundsätzliche Frage auf, wie viel Anstand, Respekt und Menschlichkeit im politischen Miteinander verloren gegangen sind?
„Wir gestehen uns in der Politik gegenseitig zu, dass wir das Beste für unser Land wollen. Trotzdem sind wir im Ton und im Umgang miteinander in den vergangenen Jahren immer unerbittlicher geworden. Wann haben wir eigentlich aufgehört, Rücksicht aufeinander zu nehmen? Wann haben wir verlernt, wie ganz normale Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen miteinander zu sprechen, unterschiedliche Meinungen auszuhalten und gemeinsam um den besten Weg zu ringen?“, fragt Yetim.
Bärbel Bas sei eine Politikerin, die sich ihre Ämter nicht auf einem einfachen Weg erarbeitet habe. Sie habe sich trotz vieler Widerstände mit eigener Kraft, harter Arbeit und großer Überzeugung bis in höchste politische Verantwortung vorgearbeitet. Dabei sei sie immer bodenständig, lebensnah und ihren Überzeugungen treu geblieben.
„Bärbel Bas ist ein Mensch mit einem klaren Wertekompass, der zuhört, nachdenkt und nie vergessen hat, woher sie kommt. Gerade solche Menschen mit diesen Biografien brauchen wir vielmehr in unserer Demokratie. Wenn sich eine solche Politikerin zurückzieht, dann dürfen wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“
Yetim appelliert deshalb an alle politisch Verantwortlichen, unabhängig von Partei und Funktion, den eigenen Umgang miteinander kritisch zu hinterfragen.
„Politik lebt vom Streit um die besten Ideen. Aber Streit darf nicht bedeuten, dass wir den Respekt vor dem Menschen verlieren, der eine andere Meinung vertritt. Hinter jedem politischen Amt steht ein Mensch. Mit Gefühlen, mit einer Familie, mit Grenzen. Das scheinen wir manchmal zu vergessen.“
„Der Rücktritt von Bärbel Bas sollte uns deshalb nicht nur betroffen machen, sondern auch wachrütteln. Wir müssen uns ernsthaft fragen, ob wir diesen Stil in unserer Demokratie wirklich beibehalten wollen. Denn wenn am Ende gerade die nachdenklichen, anständigen und verantwortungsbewussten Menschen die Politik meiden oder verlassen, verlieren wir alle.“, so Yetim abschließend.
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