
Agripoli: Wie aus Eierschalen und Agrarresten neue Werkstoffe entstehen
Das türkische Unternehmen Agripoli entwickelt Materialien aus landwirtschaftlichen Reststoffen. Die Gründer Arda Kılınçkını und Ebru Baripoğlu setzen dabei auf einen Ansatz, der Kreislaufwirtschaft mit industrieller Verarbeitung verbinden soll.
Eierschalen, Teereste oder Rückstände aus der Holzverarbeitung gelten häufig als Abfall. Für Agripoli sind sie Ausgangsstoffe für neue Materialien. Das 2023 gegründete Unternehmen aus der Türkei arbeitet daran, solche Reststoffströme aufzubereiten und für die Herstellung funktionaler Füllstoffe, Kunststoffmischungen und fertiger Produkte nutzbar zu machen.
Im Mittelpunkt steht eine Frage, die für die industrielle Kreislaufwirtschaft entscheidend ist: Wie lassen sich Reststoffe so verarbeiten, dass daraus verlässlich einsetzbare Werkstoffe werden? Agripoli verfolgt dafür nach eigenen Angaben einen Entwicklungsprozess, der von der Auswahl geeigneter Rohstoffquellen über die Formulierung bis zur Pilotproduktion und technischen Prüfung reicht.

Von der Eierschale zum Alltagsprodukt
Ein Schwerpunkt liegt auf der Verwertung von Eierschalen. Sie werden gesammelt, gereinigt und zu einem homogenen Pulver verarbeitet. Dieses soll anschließend als Bestandteil neuer Materialrezepturen eingesetzt werden. Auch andere ausgewählte landwirtschaftliche und industrielle Reststoffe gehören zum Ansatz des Unternehmens.
Unter der Bezeichnung BIOFILL® entwickelt Agripoli biobasierte Füllstoffe für unterschiedliche Polymersysteme. BIOGENIC® umfasst nach Unternehmensangaben Materialmischungen für Anwendungen wie Spritzguss und Extrusion. Ergänzend bietet Agripoli gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte an, um Rezepturen an konkrete Anforderungen von Herstellern anzupassen.
Welche Anwendungen daraus entstehen können, zeigt das Unternehmen anhand von Trinkbechern, Löffeln und Griffen für Küchenutensilien. Die Beispiele veranschaulichen den Anspruch, Reststoffe nicht nur aufzubereiten, sondern in gebrauchsfähige Produkte zu überführen.

Bestehende Produktionsanlagen im Blick
Für die Gründer Arda Kılınçkını und Ebru Baripoğlu gehört die industrielle Verarbeitbarkeit zum Kern des Konzepts. Die Materialien sollen sich möglichst in vorhandene Fertigungsprozesse integrieren lassen. Agripoli nennt unter anderem die Kunststoffe PE, PP, recyceltes PP sowie PLA, PBAT und PHA als mögliche Materialsysteme.
Damit richtet sich das Unternehmen an Hersteller, die alternative Rohstoffe einsetzen möchten, ohne ihre Produktion vollständig neu aufzustellen. Ob eine Rezeptur für eine konkrete Anwendung geeignet ist, muss jedoch anhand von Verarbeitungseigenschaften, Oberflächenqualität und Produktleistung geprüft werden. Solche Tests beschreibt Agripoli als festen Bestandteil seiner Entwicklung.

Umweltpotenzial braucht überprüfbare Nachweise
In seinen Präsentationsunterlagen wirbt Agripoli mit einer möglichen Verringerung des Polymeranteils um bis zu 60 Prozent und einer CO₂-Reduktion von 40 bis 80 Prozent. Diese Werte sind Unternehmensangaben. Aus den vorliegenden Unterlagen geht nicht hervor, auf welche konkreten Rezepturen, Vergleichsmaterialien und Bilanzierungsgrenzen sie sich beziehen. Eine allgemeine Aussage über die Umweltbilanz sämtlicher Produkte lässt sich daraus deshalb nicht ableiten.

Der grundsätzliche Ansatz ist dennoch klar: Reststoffe sollen als Rohstoffquelle erschlossen und in bestehende Wertschöpfungsketten zurückgeführt werden. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, wie zuverlässig sich Materialqualität, Rohstoffversorgung und Verarbeitung im größeren Maßstab sicherstellen lassen.


Agripoli sucht nach eigenen Angaben Partner für Pilotproduktionen, Rohstofflieferungen und die internationale Geschäftsentwicklung. Für das Unternehmen geht es damit um den nächsten Schritt: aus materialtechnischen Entwicklungen dauerhaft einsetzbare Lösungen für die Industrie zu machen.


















































