Von Pittsburgh lernen: Universität und Wirtschaftsförderung vereinbaren mehr Transfer aus der Forschung in die Duisburger Wirtschaft
Von Pittsburgh lernen: Universität und Wirtschaftsförderung vereinbaren mehr Transfer aus der Forschung in die Duisburger Wirtschaft
Duisburg, 22. Oktober 2026. Mehr Innovationen, Ansiedlungen, Ausgründungen und Arbeitsplätze aus der Forschung: Mit diesem Ziel wollen die Universität Duisburg-Essen (UDE) und die Wirtschaftsförderung Duisburg Business & Innovation (DBI) den Wissenstransfer in die Duisburger Wirtschaft stärken. Dazu haben UDE-Rektorin Prof. Dr. Barbara Albert und DBI-CEO Prof. Dr. Rasmus C. Beck heute beim Transferkongress „Science to Business“ eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) unterzeichnet. Den Kongress im Duisburger Fraunhofer-inHaus-Zentrum haben UDE und DBI gemeinsam mit der Stadt Duisburg ausgerichtet.

„Transfer zahlt sich erst aus, wenn er in den Betrieben ankommt und dort zu neuen Produkten, Verfahren und Arbeitsplätzen führt, und an diesem Maßstab richten wir unsere Arbeit aus. Während die Universität ihre Forschung einbringt, sorgen wir dafür, dass die Unternehmen mit ihren konkreten Fragen am Tisch sitzen, und erschließen die Fördermittel, mit denen aus einer Idee ein gemeinsames Projekt wird. Genau diese Arbeitsteilung haben wir in Pittsburgh gesehen, und sie bildet den Kern unserer Vereinbarung.“ (Prof. Dr. Rasmus C. Beck, CEO, Duisburg Business & Innovation)
Im Mittelpunkt des Kongresses stand der konkrete Nutzen von Wissenstransfer für den Wirtschaftsstandort Duisburg. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollen leichter Zugang zu wissenschaftlichem Know-how und neuen Technologien erhalten. Umgekehrt sollen die Herausforderungen des Strukturwandels früher in die Forschung einfließen, damit dort passende Lösungen entstehen. Dazu wollen UDE und DBI unter anderem gemeinsame Anlaufstellen prüfen, Gründungsteams frühzeitig mit Unternehmen vernetzen und Fördermöglichkeiten identifizieren. Grundlage der engeren Zusammenarbeit sind die gemeinsamen Projekte „Circular.NiederRhein“ und „KI für KMU NiederRhein“, mit denen beide Partner KMU in der Kreislaufwirtschaft und beim Einsatz künstlicher Intelligenz unterstützen. Beide Vorhaben hat die DBI federführend mit der UDE und weiteren Partnern vom Niederrhein und aus den Niederlanden im Förderprogramm Regio.NRW eingeworben, zusammen umfassen sie rund vier Millionen Euro. Darauf aufbauend sollen weitere Förderprojekte erschlossen werden, damit der Transfer dauerhaft gestärkt wird.

„Universitäre Forschung und Bildung gewinnen besondere Relevanz, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse nicht in der Wissenschaftswelt verbleiben, sondern mit dem Umfeld von Universitäten ausgetauscht werden. Die Universität Duisburg-Essen und ihre An-Institute sind eng mit Partnern in Wirtschaft und Gesellschaft verbunden. Gemeinsam setzen wir unsere wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Expertisen ein, um das Ruhrgebiet als Wissenschafts- und Innovationsregion fortzuentwickeln“ (Prof. Dr. Barbara Albert, Rektorin der Universität Duisburg-Essen)
„Die enge Zusammenarbeit von Universität und Wirtschaftsförderung stärkt unseren Wirtschaftsstandort. Wer als Unternehmen früh Zugang zu neuem Wissen hat, bleibt wettbewerbsfähig. Das hilft den Betrieben vor Ort und macht Duisburg auch für Ansiedlungen interessanter.“ (Michael Rüscher, Wirtschaftsdezernent, Stadt Duisburg)

Wie aus industriellem Strukturwandel neue wirtschaftliche Stärke entstehen kann, schilderten zwei Experten aus Pittsburgh: Tom Murphy, ehemaliger Bürgermeister der US-Stahlmetropole, und Bill Flanagan, Special Advisor der regionalen Wirtschaftsorganisation Allegheny Conference. Sie berichteten, wie sich der krisengeprägte Stahlstandort zu einem globalen Zentrum für Robotik, künstliche Intelligenz und Gesundheitswirtschaft entwickelt hat. Entscheidend dafür war das langfristige Zusammenspiel von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, das auch für Duisburg zum Vorbild werden kann.
„Ich möchte ehrlich sein: Dieser Weg ist nicht immer einfach. In Pittsburgh gab es Widerstände gegen Veränderung, gegen neue Kooperationen und gegen Investitionen, die sich erst Jahre später bezahlt machen. Und dennoch hat Pittsburgh gezeigt, dass die Zukunft einer Industriestadt nicht von ihrer Vergangenheit bestimmt wird. Entscheidend ist der Mut, neue Wege zu gehen und die regionalen Stärken auf neue Anwendungsbereiche zu übertragen.“ (Tom Murphy, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Pittsburgh)

Diesen Ansatz wollen UDE und DBI auf die eigenen Stärken des Standorts übertragen. Den Anstoß dazu gab eine Delegationsreise, mit der die DBI im Oktober 2025 Vertreterinnen und Vertreter von UDE, Stadt und Duisburger Unternehmen nach Pittsburgh gebracht hatte. Weitere internationale und nationale Beispiele sollen folgen und den Austausch über Know-how, neue Technologien, Start-ups und wissenschaftliche Ausgründungen vertiefen.
Wie Wissenstransfer in Duisburg bereits heute gelingt, zeigten Unternehmen, Ausgründungen und Forschungseinrichtungen auf der begleitenden Innovationsmesse. Ein Beispiel ist Helion, das vor mehr als 20 Jahren aus dem Fraunhofer IMS ausgegründet wurde und heute mit Spezialkameras, die sich nicht blenden lassen, ein Hidden Champion ist. Das Unternehmen STURM Industries hat seine Wurzeln an der UDE, verarbeitet im 3D-Druck eine große Bandbreite von Werkstoffen und entwickelt gemeinsam mit der UDE und dem Zentrum für Brennstoffzellentechnik (ZBT) neue Verfahren, etwa für die Herstellung von Brennstoffzellen-Stacks oder für die Medizintechnik. Das Zentrum für angewandte Künstliche Intelligenz Duisburg (ZaKI.D), ein Projekt von Fraunhofer IMS, Stadt Duisburg, KROHNE Messtechnik und UDE, unterstützt Unternehmen bei der Einführung und der Nutzung von künstlicher Intelligenz. Mit dem Recyclingunternehmen Blumenroth, das wie viele Recyclinghöfe in Deutschland mit Bränden durch achtlos weggeworfene Batterien und Akkus zu kämpfen hat, arbeitet ZaKI.D an einer KI-Lösung, die Batterien frühzeitig im Abfall erkennt und so die Brandgefahr senken soll.

Weitere Informationen:
Website: www.duisburg-business.de
Transferkongress: https://www.b2match.com/e/science-to-business
Podcast mit Tom Murphy und Bill Flanagan „Pittsburgh, the mother of all ‚Cities of Transformation‘“: https://open.spotify.com/episode/54wiMtZLS55korJHiEgLcY
Helion: https://www.helion-vision.com/
STURM Industries: https://www.sturm.industries/
ZaKI.D: https://www.zakid.de/
Fotocredit: Bernd Thissen
