Vermischtes

24.Gedenktag des Solinger Brandanschlags

Am 29. Mai 1993 wurde die Morgenruhe in der Unteren Wernerstraße durchbrochen, als vier junge Männer das Haus der Familie türkischstämmigen Genc ansteckten. In den Flammen verloren fünf Mädchen und Frauen ihr Leben. Der Solinger Brandanschlag hat sich in die Geschichte der Stadt eingeprägt, und so wurde auch der 24. Jahrestag in einer Gedenkveranstaltung begangen.Diese fand an dem Mahnmal statt, das über zwei Kilometer von dem Tatort entfernt an dem Mildred-Scheel-Berufskolleg errichtet wurde.

 

Der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach hielt eine Gedenkrede

Der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach hielt eine Gedenkrede, in welcher er mahnte: „Wer sich nicht erinnern will, der kann die Zukunft nicht gestalten.“ Er sprach davon, wie lebending die Erinnerung „in unseren Seelen“ sei, auch bei denen, die wie der Oberbürgermeister selbst, damals noch sehr jung waren.

 

 

 

Neben dem Oberbürgermeister waren diverse Vertreter der Politik und Zivilgesellschaft, sowohl aus Deutschland als auch der Türkei, zu der Veranstaltung gekommen, ebenso wie um die 300 Solinger Bürger. Nach der Gedenkminute wurden Koranverse zitiert, bevor sich weitere Stimmen zu dem Gedenken meldeten.

 

Die türkische Generalkonsulin aus Düsseldorf, Şule Gürel

Dazu gehörte die türkische Generalkonsulin aus Düsseldorf, Şule Gürel, die darauf hinwies, dass die Ausländerfeindlichkeit und Islamophobie insbesondere in Deutschland drastisch anstiegen. 24 Jahre nach dem fremdenfeindlichen Übergriff in Solingen, dem hier gedacht wurde, seien dieselben Kräfte dabei, wieder zu erwachen. Im Namen der türkischen Regierung mahnte Gürel davor dies außer Acht zu lassen.

 

 

Weitere Teilnehmer führten aus, was die Folgen von Fremdenfeindlichkeit sind und wie sie sich gerade in Solingen gezeigt haben. Es wurde darauf hingewiesen, dass nach all der Zeit noch immer 17 Mitglieder der Großfamilie Genc unter den Auswirkungen des Brandanschlags leiden, ob unmittelbar oder indirekt. Andere sprachen an, dass auch die Aufarbeitung der Stadt selbst nicht immer bestens verlaufen ist. So wurde das Mahnmal dieser Gedenkfeier erst auf Wirken einer Bürgerbewegung errichtet und dies eine weite Strecke vom Tatort enternt, weil die damalige Stadtverwaltung befürchtete, den sozialen Frieden der Stadt anderenfalls zu gefährden.Schließlich aber setzten sich das Gedenken an die Opfer und der Wille, dies nicht wieder zuzulassen, durch.

Am Abend des Gedenktages wurde, ebenfalls an dem Mildred-Scheel-Berufskolleg, der Preis Silberner Schuh 2017 von dem Bündnis für Toleranz und Zivilcourage verliehen, in dem sich Vertreter von Kirchen, Schulen, Vereinen und anderen zusammengeschlossen haben. Seit 2004 wird der Preis vergeben, um Einzelpersonen oder Gruppen dafür auszuzeichnen, dass sie sich um die Zivilgesellschaft verdient gemacht haben, gerade für mutiges Eintreten gegen Fremdenfeindlichkeiit und Diskriminierung.

 

Diesjähriger Preisträger ist der Solinger Appell, eine Gruppierung, die als Reakton auf den Brandanschlag gegründet wurde und es sich zum Ziel gesetzt hat, „das Geschehene nicht schweigend hinzunehmen“. In den Jahren seines Bestehens hat der Appell unter anderem mit einer eigenen Zeitung, aber auch mit Demonstrationen und Workshops gegen die Fremdenfeindlichkeit gekämpft, ebenso wie gegen „rassistische und faschistische Organisationen und Parteien“. Zuletzt legte der Appell sein Augenmerk auf die nationalsozialistische Vergangenheit wie deren Opfer, insbesondere die Solinger Sinti, welche im KZ Auschwitz ermordet wurden.

 

Ahmet Yildiz, Vorstandsvorsitzender der Unternehmervereinigung Müsiad Oberhausen 

Andere Worte fand Ahmet Yildiz, Vorstandsvorsitzender der Unternehmervereinigung Müsiad Oberhausen, als er sagte: „Heute sind wir zusammengekommen, um der Opfer des Solinger Anschlags zu gedenken. Es ist ein gutes Zeichen, dass sich so viele Menschen hier zu deren Andenken gefunden haben, und ich möchte Ihnen allen von Herzen danken. Dennoch, eine Veranstaltung wie diese, mit dem Hintergrund solch einer schrecklichen Tat und unserem Willen, so etwas nie wieder zuzulassen – hier denke ich, dass noch mehr Menschen hier sein müssten, damit wir nicht vergessen, was damals passiert ist. Deswegen möchte ich hiermit an all die Leute appellieren, die heute nicht anwesend sind, dass sie im nächsten Jahr hierher kommen und sich auf jeden Fall in Gedanken zu uns gesellen. Denn nur im Miteinander können wir zum Erfolg gelangen, nur miteinander können wir den Hass besiegen.“

 

 

 

 

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