Schwarzer Tag für den Lokaljournalismus: RRG wird abgewickelt
DuMont fährt Kölner Zeitungslandschaft vor die Wand
„Das ist ein schwarzer Tag für den Lokaljournalismus nicht nur im Rheinland. Mit der Entscheidung, die Rheinische Redaktionsgemeinschaft (RRG) zu schließen, fährt DuMont die Zeitungslandschaft im Großraum Köln endgültig vor die Wand. “ So kommentiert Andrea Hansen, Landesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes in NRW (DJV-NRW) die heute verkündete abrupte Schließung der RGG zum 30. September 2026.
„Wir sind geschockt über die Kaltschnäuzigkeit, mit der das Verlagshaus 63 Lokalredakteur:innen seiner Tochtergesellschaft vor die Tür setzt“, sagt Hansen. „Man kann diese überstürzte Schließung leicht als einen billigen Taschenspielertrick entlarven, um auf Kosten von gutem Journalismus durch Automatisierung viel Geld zu sparen. Dabei reden wir nicht von einem x-beliebigen Hedgefonds, sondern von einem großen Traditionsverlag, in dem der Vorsitzende des Digitalpublisher und Zeitungsverleger Verbands NRW verantwortlich zeichnet. Wir rufen Christian DuMont-Schütte dazu auf, diese Fehlentscheidung zurückzunehmen und den Journalismus in der Region gemeinsam mit den bewährten Kolleg:innen weiterzuentwickeln.“
Bereits mit der Schließung einer eigenständigen Redaktion der Kölnischen Rundschau im Februar dieses Jahres war Köln de facto zu einer Ein-Zeitungs-Stadt geschrumpft. Mit der Abwicklung der RRG sägt DuMont jetzt auch noch den starken Ast ab, der bisher die Berichterstattung und Produktion der Regionalteile von Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau aus dem Umland der Domstadt trug. Glaubt man der Geschäftsführung hat die 2014 gegründete RRG ihre Schuldigkeit getan und kann weg, weil ein mysteriöser „Technologiesprung“ im Unternehmen das erlaube. Sie setzt jetzt auf KI, neue Produktionssysteme und digitale „Regio-Teams“ – mit bisher wenig journalistischer Expertise – die in einer neuen Tochterfirma jetzt dafür sorgen sollen, dass die Lokalteile mehr oder weniger automatisch erstellt werden. Mit diesem Mix soll ab dem 1. Oktober auch ohne die RRG in DuMonts Lokalberichterstattung alles so bleiben, wie es ist – nein, sogar besser werden.
„Die Geschäftsführung hat offensichtlich nicht verstanden, dass guter Lokaljournalismus von einer ausreichend großen Zahl von Menschen gemacht wird und nicht allein von KI“, kritisiert Andrea Hansen. „Es ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten, der Kundschaft obendrein zu versprechen, dass sich an ihrer Zeitung nichts ändern wird, obwohl man gerade mehr als 60 Redakteur:innen mit langjähriger Sach-, Fach- und Ortskenntnis auf die Straße setzt. Wie sehr diese fehlen, wird die Kundschaft schnell merken. Wir sind fassungslos, dass eine solche Geschäftspolitik in der Medienbranche angesichts der immer wieder beschworenen Bedeutung von Lokaljournalismus für unsere Gesellschaft in 2026 möglich ist. Das passt nicht zusammen.“
Bildquelle: Udo Geissler
Quelle:DJV NRW
