Neues Buch deckt Medizinverbrechen in der NS-Zeit auf
Neues Buch deckt Medizinverbrechen in der NS-Zeit auf
Moers. (pst) Ein wichtiges Buch haben die NS-Dokumentationsstelle der Stadt Moers und der Verein ‚Erinnern für die Zukunft e.V.‘ am Mittwoch, 9. September, vorgestellt. Die Publikation „NS-Medizinverbrechen im Altkreis Moers. Zwangssterilisation und ‚Euthanasie‘ 1933 und 1945” arbeitet die Schicksale von Menschen auf, die wegen einer Erkrankung oder einer Behinderung Opfer der Nationalsozialisten waren. Sie wurden verfolgt, gefoltert oder getötet. „Wir erfahren durch das Buch, wer diese Menschen waren, wo diese Menschen lebten und was ihnen widerfuhr – was beim Lesen schwer auszuhalten ist. Das Buch macht sehr deutlich, dass unsere eigene Stadtgesellschaft Teil dieser dunklen Geschichte war. Die Publikation holt aber auch Menschen aus der Anonymität zurück“, erklärte Bürgermeisterin Julia Zupancic in ihrer Rede. Ähnlich äußerte sich Hildegard Hecker (Vorsitzende ‚Erinnern für die Zukunft e.V.‘): „Das Buch beleuchtet einen bedeutsamen und schmerzhaften Teil unser Lokalgeschichte.“ Die Vereinsvorsitzende betonte, dass das Werk den Opfern ihre Würde und ihre Namen zurückgibt.
Beginn der Arbeit durch Maren und Dr. Bernhard Schmidt
Alena Saam von der NS-Dokumentationsstelle und stellvertretende Leiterin des Stadtarchiv Moers sowie Historiker Thomas Ohl stellten an dem Nachmittag kurz die Inhalte und die Herangehensweise an das Buch vor. Die Idee und grundlegenden Recherchen sind bereits 2014 entstanden, als der Verein Erinnern für die Zukunft die Gedenkstätte Hadamar bei Limburg besucht hatte. Dort war ab 1941 eine der sechs Tötungsanstalten der Nationalsozialisten. Menschen mit psychischen Erkrankungen und körperlichen oder geistigen Behinderungen wurden durch Kohlenmonoxidgas ermordet und anschließend in Krematorien verbrannt. Maren und Dr. Bernhard Schmidt haben damals die Recherchen begonnen und die grundlegende Arbeit geliefert. Weitere Autorinnen und Autoren sind Helmut Grosch, Krista Horbrügger, Achim Jaeger, Bernd Kern, Thomas Ohl, Anne Prior, Alena Saam und Hanna Stucki. Die Redaktion haben Ulrich Hecker, Thomas Ohl und Alena Saam übernommen. Das Buch wurde mit finanzieller Unterstützung der Sparkasse am Niederrhein und der Kulturstiftung Sparkasse am Niederrhein möglich gemacht.
Infobox:
Das Buch „NS-Medizinverbrechen im Altkreis Moers. Zwangssterilisation und ‚Euthanasie‘ 1933 und 1945” ist zum Preis von 25 Euro unter anderem in der Barbara-Buchhandlung (Burgstraße 10), in der Stadt- und Touristinformation von Moers Marketing (Kirchstraße 27a/b) und im Grafschafter Museum im Moerser Schloss (Kastell 9) erhältlich.
Bildzeile:
Die Beteiligten haben am Mittwoch, 9. September, das Buch „NS-Medizinverbrechen im Altkreis Moers. Zwangssterilisation und ‚Euthanasie‘ 1933 und 1945” vorgestellt. (Foto: pst)
