Duisburg

Zwischen Gottesanbeterinnen und Gottes schützender Hand

Duisburg. Vor rund 60 Gästen erzählte Pater Tobias am Mittwochabend im Neumühler Agnesheim von seiner größten sportlichen und mentalen Herausforderung. Der bekannte Marathon-Pater nahm Mitte November am Oman Desert 2018 teil, dem 172 km langen Wüsten-Race innerhalb von 6 Tagen. „42 Kilometer Marathon interessieren keinen mehr, wenn man wie ich schon an 74 Läufen teilgenommen hat. Schon bei den beiden Ultra-Läufen mit 100 km hielt man mich für bekloppt“, erklärte der gegen Kinderarmut kämpfende Pater Tobias zum Einstieg seines kurzweiligen Vortrages mit Fotos und Video-Sequenzen. All diese Herausforderungen nimmt der Prämonstratenser auf sich, um für sein Kinderhilfsprojekt KiPa cash-4-kids Spenden zu erhalten. „Ich bin noch nicht gestartet und dann sind schon 3- bis 4-tausend Euro für den jeweiligen Marathon gespendet. Aber es wird weniger, der Pater schafft es ja sowieso. Für den Oman Desert haben wir bis jetzt 18000 Euro Spenden erhalten, die Therapien und sozialer Teilhabe von Kindern sowie unserer Kinderlernküche zugutekommen“, so Pater Tobias.

Während Pater Tobias über seine 9-monatigen Vorbereitungen mit Trainingseinheiten, 9 Marathonteilnahmen als Konditionstraining, Arzt-Check-Up’s, Rücksprachen und Reflexionen mit seiner Trainerin, Ausstattungsanschaffung und Werbemaßnahmen berichtet, zeigt er das notwendige Wüsten-Equipment. Die komplette Rucksackausstattung zur Selbstverpflegung und mit Survival-Materialien wog anfänglich 9 Kilogramm während des Wüsten-Race. Beinahe wäre Pater Tobias Teilnahme gescheitert, da er ein Pflichtmedikament in Deutschland weder kaufen kann, noch verschrieben erhält. „Ein Aufruf über Facebook und mir haben ganz viele Menschen das Medikament Primperan (MCP) zugesendet“, erfreut sich der Pater über die Solidarität und Unterstützung. Beim Zeigen der speziellen Astro- und Sportlerkost gerät er ins Schwärmen, da es ein Pulver mit Mousse au Chocolat-Geschmack gibt: „Das war die abendliche Belohnung für mich nach all den Strapazen.“

Bei jedem Foto einer Sanddüne fiebert Pater Tobias immer noch mit, das Hinauflaufen auf sandigem unbefestigten Untergrund war strapaziös. „Die Dünen kosteten nicht nur physische Kraft. Zusätzlich zur aufkommenden mentalen Stärke haben mich die Engel bei den letzten 7 Großdünen vor dem arabischen Meer getragen“, betont der sportbegeisterte Seelsorger. Tagestemperaturen von 40 bis 45 Grad, Herzfrequenzen um 175, verbrennen von täglich um die 2500 Kalorien, teilweise kurze Ruhephasen von wenigen Stunden zwischen den Etappen, Zeltunterbringung mit 9 Läufern auf engstem Raum, Nutzung von 6 Wüstentoiletten mit über 150 Personen, sind nur einige Unwegsamkeiten, die Pater Tobias in seinem Vortrag benennt. Ohne Gottes schützender Hand hätte Pater Tobias nicht das Ziel als 53. von 105 anfänglichen Läufern erreicht. „Ich habe geweint und gebetet, während ich auf allen Vieren wie eine Katze die steilen Höhenunterschiede meisterte. Es kamen Zweifel auf, sollst Du aufgeben? Aber ich habe gespürt, mein Herr und Vater war ständig bei mir. Zudem dachte ich an strahlende Kinderaugen, die durch den Spendenlauf Wünsche erfüllt bekommen und Förderungen erhalten.“

15 Läufer haben wegen konditionellen oder gesundheitlichen Schwierigkeiten aufhören müssen. Beim Zeigen der Aufnahmen von den Ärztinnen und dem Sanitätsbereich sowie blasengeplagter und wundgescheuerter Füße, schwärmt Pater Tobias von der Wirkung seines Weihwassers: „Ich hatte nur eine Blase.“ Auch habe ihm das Weihwasser bei der 5. Etappe, dem Nachtmarathon, geholfen: „Die wilden Tiere wie Schlangen, Skorpione und Gottesanbeterinnen sind vor mir geflüchtet, da ich alles mit Weihwasser eingerieben habe.“ Weiter spickte der Pater seinen Vortrag mit einigen charmanten Dönekes, wie man zum Beispiel urmenschlichen Bedürfnissen in der Wüste ohne Bäume nachkommt. Auch lobte er sein Solarakkuladegerät mit „und stellen Sie sich vor, die Sonne hat mir keine Rechnung gestellt“. Der Oman Desert ist eine große Herausforderung für Pater Tobias im Kampf gegen Kinderarmut gewesen und er wird bei weiteren Vorträgen, Reportagen und dem erscheinenden Buch noch lange sein Erlebtes weitergeben.

Terminanfragen für Vorträge in Gemeinden, Vereinen und Verbänden nimmt Pater Tobias gerne unter tobias@abtei-hamborn.de entgegen.

Fotos: Christian Voigt/Projekt LebensWert

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