Moers

Ukraine-Krieg treibt Energiepreise und Sorgenfalten

Treue Kunden sollten unbedingt die Chance auf ein Sonderprodukt nutzen

In der Energiebranche ist seit Monaten nichts mehr, wie es war. Preise für Strom und Gas erreichen historische Höchststände und mit der erwarteten, sich zu Jahresbeginn zunächst auch abzeichnenden Erholung der Börsenpreise ist es seit Beginn des Ukraine-Krieges vorbei. Der hinterlässt seit Februar tiefe Spuren bei Energiehändlern wie der ENNI Energie & Umwelt Niederrhein (Enni). Deren Geschäftsführer Dr. Kai Gerhard Steinbrich betonte jetzt, dass das Unternehmen genau wie Stadtwerke bundesweit vor den großen Herausforderungen stünde, Kunden weiter preiswert und sicher versorgen zu können. Im Strom-Basisangebot, der sogenannten Grundversorgung, wird es nach der Anpassung im März ab Juni auf jeden Fall erneut teurer. Treue, langjährige Kunden will Enni beim Strom und Gas in diesem Jahr aber unbedingt vor den großen Preissprüngen abkoppeln – auch die, die sich bislang nicht für das bereits mehrfach angebotene Sonderprodukt entschieden hätten. „Dieser Kundengruppe machen wir noch einmal ein Angebot, weiter zu Konditionen, die deutlich unter dem aktuellen Marktpreis liegen.“ Nicht entziehen könne sich Enni der Diskussion um das drohende Ende russischer Gaslieferungen, das nach der durch Wirtschaftsminister Robert Habeck gemäß des bundesweiten gesetzlichen Notfallplans kürzlich ausgerufenen Frühwarnstufe und den jüngsten Entwicklungen möglichweise bevorsteht. Von ihrem Ferngasnetzbetreiber habe Enni erfahren, dass es momentan aber keine Einschränkungen der Lastflüsse gibt und die Versorgung nach aktuellem Stand auch über den Sommer hinaus physikalisch gesichert sei. Steinbrich sieht im Bezug von L-Gas aus den Niederlanden zudem für den Niederrhein einen Vorteil. „Letztendlich wird aber der Gesetzgeber über die Bundesnetzagentur entscheiden, wer im Krisenfall welche Mengen Gas bekommt. Hier sind wir in einem Solidarsystem und müssen als lokaler Netzbetreiber die Anweisung des Gesetzgebers umsetzen.“ Eine Kürzung der Lieferung oder gar eine Abschaltung würde Haushalts- und kleine Gewerbekunden sowie festgelegte schützenswerte Großkunden wie Krankenhäuser oder Pflegeheime zunächst aber nicht treffen.

Wie es auch kommt, bei den Energiepreisen rechnet auch Enni anders als noch zu Jahresbeginn kurzfristig jetzt nicht mehr mit einer deutlichen Entspannung. Da Börsenpreise beim Strom und Gas in bislang nicht gekannten Höhen verharren, werde es ab 2023 für alle Haushalte und Unternehmen am Niederrhein deutlich teurer. Ist hier eine konkrete Aussage noch zu früh, wird es ab Juni aber schon all die Kunden treffen, die nach dem sogenannten Grundversorgungstarif Strom oder Gas beziehen. Hierzu zählen laut Steinbrich auch die rund 1600 Strom- und Gas-Kunden, die Enni beispielsweise durch die Insolvenz von Wettbewerbern erst seit Januar beliefert. Nicht verstehen kann Steinbrich, dass sich trotz intensiver Bemühungen und mehrfacher Anschreiben erst rund 13000 von rund 37300 möglichen Bestandskunden für die angebotenen Strom- und Gas-Treueprodukte entschieden haben. An die appellierte er gestern, sich unbedingt mit der Entwicklung zu beschäftigen und das Mitte April nochmals in den Haushalten ankommende Angebot anzunehmen. „Hier wirken zwar bereits die beim Strom und Gas drastisch gestiegenen Kosten der sogenannten Ausgleichsenergie, mit der wir die Abweichungen zwischen den prognostizierten und tatsächlichen Verbrauchsmengen der Kunden durch Einkäufe ausgleichen müssen. Die Preise liegen bei diesem Angebot aber auch nach Juni weiter einige hundert Euro unter denen der Grundversorgung.“ Vor allem beim Erdgas ist die Differenz mittlerweile gewaltig. Ein 20000 Kilowattstunden verbrauchender Musterhaushalt muss jährlich knapp 2000 Euro mehr als im Treueprodukt zahlen. „Beim Strom wird es für den Musterfall in der Grundversorgung ebenfalls deutlich teurer. Die 3500 Kilowattstunden kosten dann rund 270 Euro mehr als im ab Juni gültigen Sonderprodukt.“ Aktuell einziger Lichtblick: Der Gesetzgeber hat entschieden, dass die sogenannte EEG-Abgabe ab Juli wegfällt und die Kilowattstunde Strom hierdurch automatisch 3,723 Cent plus Mehrwertsteuer günstiger wird. „Hierdurch sparen alle Kunden, also auch die mit unseren Sonderprodukten, im Musterfall pro Jahr somit rund 155 Euro.“

Foto: Symbolbild

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