Gesundheit

Chefarzt Hanns-Peter Klasen informiert:

Sechs Fragen klären Handlungsbedarf bei über 75-Jährigen

Süchteln. Kommt ein älterer Mensch ins Krankenhaus, empfiehlt sich bereits bei der Aufnahme ein einfacher Test. Mit ihm können die Patienten ermittelt werden, die zwar aufgrund ihres Zustands noch recht fit wirken, aber ein hohes Risiko für Komplikationen und Gesundheits-Verschlechterung in sich tragen. Dieser Test besteht aus einem Fragebogen, der bei über 75-Jährigen eingesetzt wird.Chefarzt Hanns-Peter Klasen informiert:

„Mit diesem sogenannten ISAR-Test können wir herausfinden, ob Senioren später besonderer Aufmerksamkeit bedürfen“, erläutert Hanns-Peter Klasen, Chefarzt der Klinik für Geriatrie am St. Irmgardis-Krankenhaus Süchteln.  ISAR steht für „Identification of Seniors at risk“ und ist Bestandteil der geriatrischen Untersuchung.

Mit Hilfe dieses Fragebogens kann bereits bei der Aufnahme ins Krankenhaus geklärt werden, ob ein Patient bei seiner Entlassung zusätzliche Hilfe benötigt. Die Fragen können mit einem einfach „ja“ oder „nein“ beantwortet werden.

 

Von Hilfebedarf bis Erkrankungen

Die erste Frage betrifft den Hilfebedarf: „Waren Sie vor der Erkrankung oder Verletzung, die Sie in die Klinik geführt hat, auf regelmäßige Hilfe angewiesen?“. Die zweite Frage spricht die aktuelle Veränderung des Hilfebedarfs an. „Benötigten Sie in den letzten 24 Stunden mehr Hilfe als zuvor?“, wird gefragt.Chefarzt Hanns-Peter Klasen informiert:

In der dritten Frage geht es um den Krankenhaus-Aufenthalt. „Waren Sie innerhalb der letzten sechs Monate für einen oder mehrere Tage im Krankenhaus?“, lautet die Frage an den Patienten. Bei der vierten Frage wird  die senorische Einschränkung abgeklärt: „Haben Sie unter normalen Umständen erhebliche Probleme mit dem Sehen, die nicht mit einer Brille korrigiert werden können?“

Patient ist gut einschätzbar

Mit der fünften Frage wird die kognitive Einschränkung geprüft. „Haben Sie ernsthafte Probleme mit dem Gedächtnis?“, lautet sie. Die letzte Frage geht unter dem Stichwort „Multimorbilität“ auf den Tablettenkonsum ein. „Nehmen Sie pro Tag sechs oder mehr verschiedene Medikamente ein?“, wollen die Frager wissen.

Sind alle diese sechs Fragen geklärt, ist der Patient für das Geriatrie-Team des Krankenhauses gut einschätzbar. „ Bei mehr als zwei Ja-Antworten besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit ein spezieller geriatrischer Handlungsbedarf“, weiß Hanns-Peter Klasen.

Damit Patienten ihre Ressourcen optimal nutzen lernen, legt Hanns-Peter Klasen mit ihnen gemeinsam Ziele fest, die am Ende des Aufenthaltes zu erreichen sind. „Dabei muss der Patient aktiv helfen, denn mit ihm können wir viel erreichen – ohne ihn nichts“, macht er deutlich.

Im Rahmen der Zusammenarbeit, dem sogenannten Liasondienst, wird dieser Test von den Geriatrie-Spezialisten des St. Irmgardis-Krankenhauses auch im Alterstrauma-Zentrum des Hospitals zum Heiligen Geist in Kempen, im Städtischen Krankenhaus Nettetal und im Allgemeinen Krankenhaus Viersen angewandt.

Weitere Hilfe: Kompetenzzentrum Geriatrie

Damit der Patient auch nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus optimal betreut werden kann, hat der Süchtelner Chefarzt das „Kompetenzzentrum Geriatrie“ gegründet. Es ist die erste Anlaufstelle im Kreis Viersen, die Fragen rund um die Betreuung älterer Menschen klären und beantworten kann. Koordiniert wird das neue Zentrum von Susanne Koß.

Viele Arztpraxen, Angehörige, aber auch ältere Patienten fragen hier bereits um Rat. Wie kann die pflegerische Betreuung aussehen? Wie geht es nach dem Krankenhaus weiter? Was können Angehörige leisten? Wer kann sie bei der Pflege unterstützen und viele andere Fragen mehr.

„Unsere Aufgabe ist es, diese Anfragen von Privatpersonen zu bündeln und auf kurzem Dienstweg eine Antwort zu geben oder einen Ansprechpartner zu nennen“, fasst Hanns-Peter Klasen die Tätigkeit des neuen Zentrums zusammen.

Foto Jochen Rolfes

 

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