Gesundheit

„2 + 2 = 5“ – weil Teambildung einfach mehr ist

Krankenpflegeschule setzt auf breite Ausbildung

Süchteln. Doch, rechnen können sie auch, die Schülerinnen und Schüler der Krankenpflegeschule am St. Irmgardis-Krankenhaus. Und doch heißt es für sie: Zwei und zwei sind fünf. „Weil ein Team mehr ist, als die Summer seiner Mitglieder“, erklärt Schulleiterin Ilona Thelen die Rechnung. Sie setzt, neben dem reinen Fachwissen, auch auf die Ausbildung der sozialen Kompetenz und der Teamfähigkeit der Schüler. Darum finden an der Süchtelner Krankenpflegeschule schon seit 20 Jahren Teamentwicklungs-Maßnahmen statt.

Erlebnispädagogik

„Was in der Theorie so nüchtern klingt, ist in der Praxis voller Leben“, weiß die Schulleiterin. Es geht um Kenntnis- und Erfahrungsaustausch in unterschiedlich strukturierten Gruppen, darum, Alternativen zu diskutieren, Handlungspläne zu entwickeln, zu gemeinsamen Entscheidungen zu kommen – und diese auch als Gruppe umzusetzen.

„Dies alles verpackt in kooperative Spiele, gemeinsamen Sport und sogar gemeinschaftliches Kochen – und schon stellen sich die Erkenntnisse von selbst ein“, lacht sie. „Erlebnispädagogik“ heißt das im Fachjargon. Und die steht in der Krankenpflegeschule am St. Irmgardis-Krankenhaus schon seit vielen Jahren als fester Bestandteil der Ausbildung auf dem Lehrplan.

Raus aus dem Krankenhausalltag

Die Workshops finden nicht im Krankenhaus sondern in Tagungsstätten statt, die vielfältige Möglichkeiten bieten. Ein jährlicher Veranstaltungsort bietet die Möglichkeit für Wassersport-Aktivitäten, wie segeln, surfen sowie Kajak und Kanadier fahren. Eine große Küche erleichterte das gemeinsame Kochen.

 

„Die kooperativen Spiele bringen die Schülerinnen und Schüler oft an Grenzen. Schwierige Entscheidungen sind zu treffen, der Zeitdruck macht ihnen zu schaffen, jeder hat eine andere Strategie und manchmal scheitern sie am mangelnden Engagement einzelner Gruppenmitglieder“, erklärt Lehrerin Anja Kutscheidt. „Alles Herausforderungen, die auch im Krankenhausalltag auftreten.“

 

Doch immer kommen die Teilnehmer zu einer Lösung. „Der tatkräftige Einsatz für andere auf der einen Seite, die Bereitschaft, seine eigenen Grenzen anzuerkennen und sich helfen zu lassen, auf der anderen – das schafft echte Teams“, erklärt Ilona Thelen. Die Gruppen sind bewusst zusammengestellt und die entsprechenden Spiele durchdacht. „So kann sich beispielsweise die Schwächen eines Einzelnen in einer Situation als eine große Stärke in der nächsten Situation herausstellen. Damit werden beispielsweise starre Rollenverteilungen in Frage gestellt.“

 

Umsetzung ins Berufsleben

Ein wichtiger Teil des Workshops ist auch, den Bezug der gewonnen Erkenntnisse zur praktischen Ausbildung herzustellen. „Die zwangsweise tiefgehenden Erfahrungen unterstützen bei Gruppenarbeiten und Projekten im Unterricht, beim Arbeiten auf den Stationen – und da auch bei der berufsübergreifenden Zusammenarbeit. Und nicht zuletzt auch beim alltäglichen Wohnheim-Leben.“

 

Auch karrierefördernd

So wird aus „2 + 2 = 5“. Sicher haben die Erkenntnisse aus der breitgefächerten Ausbildung Einfluss auf die weitere Karriere. Beispielsweise als Basis für Nachwuchsführungskräfte oder für ein späteres Medizinstudium. „Die Erfahrung zeigt, dass Ärzte, die zuvor eine pflegerische Ausbildung gemacht haben, das Medizinstudium leichter durchlaufen und ihnen der spätere Einstieg in die Praxis leichter fällt“, ergänzt Thomas Becker, der kaufmännische Direktor des St. Irmgardis-Krankenhauses.

 

Bildzeile:

Gemeinsames Segeln und Kajakfahren fördert die Teamfähigkeit – das erfahren die Krankenpflegeschüler am St. Irmgardis-Krankenhaus in ihrem ersten Ausbildungsjahr. (v.l.) Angela Brux, Milena Bintou Suko, Emina Luma, Anncathrin Harzbecker und Laura Wilms.

St. Irmgardis – Krankenpflegeschule Teamentwicklungs-Maßnahme Foto SIS

 

Über das St. Irmgardis-Krankenhaus:

 

Von 1871 bis 2008 betrieb die Katholische Kirchengemeinde St. Clemens Süchteln das St. Irmgardis-Krankenhaus als Trägerin. Zum 1. Januar 2009 übernahm die St. Franziskus-Stiftung Münster mit 51 Prozent die Mehrheit an der neu gegründeten St. Irmgardis-Krankenhaus Süchteln GmbH. 49 Prozent hält das benachbarte Allgemeine Krankenhaus Viersen (AKH). Das St. Irmgardis-Krankenhaus ist seit über 140 Jahren fester Bestandteil der medizinischen Versorgung im Kreis Viersen.

 

Bürgerschaftliches Engagement, gepaart mit der Spendenbereitschaft breiter Bevölkerungskreise, legten damals den Grundstein für das Haus. Geprägt durch Ordensfrauen, die 1972 das Haus wegen Nachwuchsmangels verließen, arbeiten engagierte Mediziner und geschultes Personal auch heute noch nach christlichen Idealen zum Wohle der anvertrauten Patienten.

 

1900 hatte das Haus etwa 50 Krankenbetten. Es wurde in den folgenden Jahrzehnten erweitert und modernisiert, um die ständig wachsende Zahl von Patienten zu betreuen. Nach dem Bau des St. Antonius-Hauses 1930/1931 wurde in den Jahren 1961 bis 1963 ein Neubau mit modernen Krankenzimmern, Diagnose-, Therapie- und Versorgungsräumen sowie einer Schule für Krankenpflege errichtet. Heute, nach Neubau eines Bettenhauses, verfügt das St. Irmgardis-Krankenhaus Süchteln über 160 Krankenbetten – einschließlich sechs interdisziplinärer Intensiv-Pflegebetten. 370 Mitarbeiter sind hier im Einsatz.

 

Zum St. Irmgardis-Krankenhaus gehören drei Klinken: Innere Medizin, Geriatrie und Chirurgie. Die Leitung der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie und Onkologie liegt bei Chefarzt Dr. med. Ulrich Bauser. Die Verantwortung für die Klinik für Geriatrie obliegt Chefarzt Hanns-Peter Klasen.

 

In der Chirurgie gibt es drei Bereiche: Chirurgie/Schwerpunkt Viszeralchirurgie mit Chefarzt Dr. med. Christian Maciey, Chirurgie/Schwerpunkt Unfallchirurgie und Sportmedizin mit Chefarzt Dr. med. Kai Platte/Ärztlicher Direktor und Chirurgie/Schwerpunkt Hand- und Plastische Chirurgie mit Chefärztin Dr. med. Valérie Stephan.

 

Weiter gehören eine ambulante kardiologische Rehabilitationsabteilung mit 20 Plätzen sowie eine Schule mit 50 staatlich anerkannten Ausbildungsplätzen für die Krankenpflege dazu. Zusätzlich wird eine Ausbildung zum
Operations-Technischen- und auch zum Anästhesiologischen-Assistenten angeboten. 2018 wurden über 6.000 Patienten stationär und rund 16.600 Patienten ambulant behandelt.

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