„Weil ein anderes Duisburg möglich ist“ – Dr. Sebastian Ritter tritt als Oberbürgermeisterkandidat an
„Weil ein anderes Duisburg möglich ist“ – Dr. Sebastian Ritter tritt als Oberbürgermeisterkandidat an
Duisburg. Dr. Sebastian Ritter, 42 Jahre alt und amtierender ehrenamtlicher Bürgermeister, tritt für Bündnis 90/Die Grünen als Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters an. Unter dem Leitmotiv „Weil ein anderes Duisburg möglich ist“ präsentiert er seine Vision einer Stadt, die wieder stärker in Bildung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Nachhaltigkeit investiert.
Fünf Jahre an der Seite der Stadt
Seit 2020 ist Ritter Bürgermeister der Stadt und hat in dieser Funktion alle sieben Duisburger Bezirke intensiv kennengelernt. „Obwohl ich hier geboren und aufgewachsen bin, durfte ich meine Heimatstadt neu kennenlernen. Mit jedem Monat habe ich sie mehr zu schätzen gelernt – als Gemeinschaft, die es wert ist, dass man sich für sie einsetzt“, sagte Ritter.
Potenziale nutzen statt aufgeben
Besonders am Herzen liegen ihm die Stadtteile, die vielerorts bereits abgeschrieben seien. Er nannte Marxloh, Hochfeld, Hochheide, Rheinhausen-Mitte, Hüttenheim, Beek, Hamborn und Meiderich als Beispiele für Orte, in denen sich Niedergang von Bausubstanz und Zivilgesellschaft abzeichnen. „Und trotzdem gibt es überall Gruppen von Menschen, die nicht aufgeben, sondern ihre Stadtteile gestalten wollen. Das Engagement dieser Menschen ist unsere größte Stärke“, so Ritter.
Stadtteillots:innen und Stabstelle beim OB
Als konkrete Maßnahme kündigte Ritter die Einführung von Stadtteillots:innen in allen 46 Duisburger Stadtteilen an. Diese sollen Bürgerinnen und Bürgern helfen, die richtigen Ansprechpartner in der Verwaltung zu finden und Vertrauen in Staat und Demokratie zurückgewinnen. Ergänzend fordert er eine Stabstelle für Stadtteile mit besonderen Herausforderungen, die direkt beim Oberbürgermeister angesiedelt wird. „Es ist meine Toppriorität, zuzuhören und Schritt für Schritt die Verhältnisse in den Stadtteilen zu drehen“, sagte Ritter.
Investitionen in Lebensqualität
Ritter machte deutlich, dass Duisburg nach Jahren strenger Haushaltsdisziplin wieder klug investieren müsse. Nur so könnten Identifikation, Wohlbefinden und Zukunftsfähigkeit gesichert werden. Er verwies auf Studien, wonach Wohnumfeld und Infrastruktur entscheidend für Gesundheit, Bildungschancen und Kriminalitätsprävention seien. „Eine grünere Stadt ist eine gesündere und lebenswertere Stadt“, betonte Ritter. Kultur und Sport sieht er dabei als zentrale Verbündete: Bewährtes müsse mit Neuem zusammengedacht werden.
Respekt, Integration und Bildungsgerechtigkeit
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Rede war der gesellschaftliche Zusammenhalt. Ritter positionierte sich klar gegen jede Form von Diskriminierung und Extremismus. „Es ist das Narrativ dieser Stadt, dass Menschen von außen kommen, um hier ihr Glück zu suchen. Das ist die Geschichte des Aufstiegs, die wir weitererzählen müssen – nicht die Spaltung.“
Zugleich will er „Bildungs-OB“ werden. Aus eigener Familiengeschichte weiß Ritter um die Bedeutung von Bildung als Aufstiegsfaktor. „Duisburg stand lange für ‚Aufstieg durch Arbeit‘ – heute muss es ‚Aufstieg durch Bildung‘ heißen.“ Er fordert einen integrierten Bildungsansatz von den Frühen Hilfen bis zur Berufsausbildung und plädiert für bessere Vernetzung von Jugend- und Schulpolitik.
Klimaschutz als soziale Frage
Klar positionierte sich Ritter auch in der Klimapolitik. „Die Klimakrise und das Artensterben sind existenzielle Bedrohungen – auch für Duisburg.“ Eine ökologische Stadtentwicklung sei zugleich eine soziale Notwendigkeit, da gerade einkommensschwache Gruppen besonders unter Hitze, Luftverschmutzung und fehlendem Grün litten. Konkrete Forderungen sind u. a.:
- mehr Straßenbäume und eine Rückkehr zum Baumschutz,
- die Entwicklung Duisburgs zur „Schwammstadt“, die besser auf Starkregen und Trockenheit reagiert,
- nachhaltige Wohnprojekte statt Bauen im Landschaftsschutzgebiet,
- ein Naturschutzgebiet am Haubachsee,
- eine verkehrspolitische Wende mit stärkerem Fokus auf Radverkehr und ÖPNV.
Angriff auf den Amtsinhaber
Deutliche Kritik übte Ritter an Amtsinhaber Sören Link (SPD). Er warf ihm vor, Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen, statt zu versöhnen. „Duisburg braucht Versöhnen statt Spalten, und da möchte ich mit gutem Beispiel vorangehen“, sagte Ritter.
Fotos:Privat