
Krankenhaus Bethanien: „Mir wurde nicht geholfen, ich wurde gerettet.“
Wie Patientin E. Greve vor der Dialyse bewahrt wurde
Eine jahrelange Odyssee bei verschiedenen Ärzt:innen führte Patientin E. Greve im Sommer 2024 als Notfall ins Krankenhaus Bethanien Moers. Hier konnte schließlich die Diagnose einer schweren Nierenerkrankung gestellt werden. Glück im Unglück für die Patientin, denn die rechtzeitige Feststellung dessen bewahrte sie mutmaßlich vor einer rasch voranschreitenden Nierenschädigung mit der Notwendigkeit einer Dialysetherapie. „Wir haben genau hingeschaut und konnten die Erkrankung Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) zügig feststellen und schnell mit der richtigen Therapie beginnen. Durch den frühen Beginn dieser Therapie konnten zum aktuellen Zeitpunkt große und bleibende Schäden an Lunge und Nieren verhindert werden“, so der behandelnde Chefarzt der Klinik für Nieren- & Hochdruckkrankheiten, Rheumatologie, Dialyse PD Dr. Alexander-Henrik Lukasz.
Wie alles begann
„Über Jahre hinweg konnte mir niemand so richtig oder zumindest langfristig helfen“, erzählt E. Greve. Immer wieder habe sie mit „Schnupfen, ohne einen wirklichen Schnupfen zu haben“ gekämpft. Bezeichnend war hierbei vor allem chronischer Ausfluss aus der Nase, der teilweise mit flüssigem und geronnenem Blut einherging. Weitere teils diffuse Symptome folgten. So etwa die Entwicklung eines Tinnitus samt mehrerer Hörstürze, starke Halsschmerzen, die nach Antibiotikagabe abklangen, jedoch immer wiederkehrten und schließlich 2023 so starke Glieder- und Gelenkschmerzen, dass nicht nur der Schlaf mit der Zeit immer massiver beeinträchtigt wurde, sondern E. Greve ab einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Arbeit nicht mehr hundertprozentig nachgehen konnte, da Müdigkeit und Abgeschlagenheit ebenso stark zunahmen. „Die von der Patientin beschriebenen Symptome und die sehr lange Vorgeschichte, ohne wirkliche Diagnose, sind symptomatisch für die Erkrankung von Frau Greve“, erklärt PD Dr. Lukasz.
„Glück im Unglück“
Als Frau Greve Mitte Juni 2024 plötzlich, nach Abbruch einer vorhergehenden MTX-Therapie (Der Wirkstoff Methotrexat (MTX) wird unter anderem zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis genutzt.), unter Schmerzen sowie starker Müdigkeit litt und ihr Hausarzt geringfügige Auffälligkeiten im EKG feststellte, schickte dieser sie zur Abklärung als Notfall ins Krankenhaus Bethanien, wo sie stationär in der Klinik für Kardiologie & Internistische Intensivmedizin aufgenommen wurde. Hier konnte nach eingehenden Untersuchungen kein Befund festgestellt werden. „Da ich mich beim Lesen der Vita des Chefarztes PD Dr. Alexander-Henrik Lukasz in der Klinik-Broschüre an den Satz einer geschätzten Ärztin erinnerte, die im Jahr zuvor zu mir sagte: ,Bei ihnen ist etwas im Argen, da müsste man einmal ganz genau hinschauen‘, bat ich den Chefarzt der Kardiologie, Prof. Dr. Stefan Möhlenkamp, um ein Gespräch mit Chefarzt PD Dr. Alexander-Henrik Lukasz“, erklärt E. Greve. PD Dr. Lukasz hatte bereits nach dem ersten Gespräch mit der Patientin einen Verdacht, der durch die erforderlichen Tests geprüft werden sollte. Im Rahmen dessen wurde unter anderem ein Urin-Test gemacht. Bei einer weitergehenden Untersuchung unter dem Mikroskop wurde nicht sichtbares Blut im Urin festgestellt, welches auf eine Entzündung der Nierenkörperchen hinwies. „Hier schellten die Alarmglocken bei uns“, erinnert sich PD Dr. Lukasz. „Wir entschieden uns zunächst für eine rasche Behandlung mit hochdosiertem Cortison. Wenige Tage später wurde die Niere der Patientin biopsiert und eine hochakute Entzündung der Niere diagnostiziert. Durch die Analyse der Blutwerte und die Ergebnisse der Nierenpunktion stand dann relativ bald eine gesicherte Diagnose fest: Granulomatose mit Polyangiitis, kurz GPA, unter Beteiligung von Hals-Nase-Ohren, Nieren, Lunge und den Gelenken.“ Bei der GPA handelt es sich um eine rheumatische Erkrankung, die mit Veränderungen der Atemwege und einer Entzündung der mittleren und kleinen Blutgefäße einhergeht. Diese werden dabei vom Körper angegriffen als Folge eines fehlgeleiteten Immunsystems. Was sich zunächst schlimm anhört, ist für Patientin E. Greve „Glück im Unglück“ gewesen. „Durch das schnelle Handeln aller Beteiligten konnte verhindert werden, dass die Entzündung zügig voranschreitet und möglicherweise irreversible Schäden an den Nieren anrichtet, was im schlimmsten Fall mit einer Dialysepflicht hätte enden können“, erklärt der behandelnde Chefarzt. Seit Beginn der Therapie im Sommer 2024 stellte sich eine signifikante Verbesserung des Gesundheits- und Allgemeinzustands der Patientin ein. Die Nierenwerte normalisierten sich, Einblutungen an der Lunge bildeten sich zurück und heilten aus. PD Dr. Lukasz fasst zusammen: „Aktuell erhält Frau Greve alle sechs Monate eine Infusion mit immunsuppressiven Medikamenten. Zwischendurch sind regelmäßige Kontrollen der Symptome und Laborwerte notwendig. Die Krankheit GPA ist leider nicht heilbar. Unser Ziel ist es daher, die Entzündungen gut in Schach zu halten und die Remission, den Stillstand der Erkrankung, aufrechtzuerhalten.“
„Ich bin dem gesamten Team im Krankenhaus Bethanien wirklich sehr dankbar. Man kann sagen, dass mir hier nicht nur geholfen wurde, sondern ich gewissermaßen gerettet wurde. Ich kann mittlerweile relativ uneingeschränkt leben, mache regelmäßig Sport, gehe wieder arbeiten. Nur vor Infekten muss ich mich in Acht nehmen, da die Therapie mit Immunsuppressiva mein Immunsystem unterdrückt und zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führt. Eine Maske hilft mir da in den meisten Fällen schon – und das nehme ich gerne in Kauf dafür, dass es mir jetzt wieder so gut geht“, erklärt die Patientin mit einem zufriedenen Lächeln. „Mir ist aufgrund meiner eigenen Geschichte eins noch wichtig zu erwähnen: Eine gewisse Sensibilisierung für seltene Erkrankungen und das genaue Hinschauen, gerade dann, wenn Symptome immer wieder auftauchen und Therapien nicht anschlagen, sind entscheidend.“
Campus Bethanien – hohe Interdisziplinarität an einem Ort gebündelt
„Es zeichnet uns als Krankenhaus Bethanien aus, dass alle notwendigen internistischen Disziplinen direkt an einem Ort und in einem Haus sind. Bei Frau Greve waren dies die Abteilungen für Nephrologie, Kardiologie und Pneumologie. Das Ganze führt dazu, dass wir sehr kurze Wege und dementsprechend schnelle Abstimmungen haben. Unsere Patientinnen und Patienten profitieren von einer zügigen Diagnosestellung und davon, dass wir sie schnell mit der richtigen Therapie behandeln können“, so der Moerser Chefarzt.
Auf einen Blick: Granulomatose mit Polyangiitis (GPA)
GPA ist eine rheumatische Erkrankung, die mit Veränderungen der Atemwege und einer Entzündung der mittleren und kleinen Blutgefäße einhergeht. Sie ist eine seltene Erkrankung –etwa fünf Menschen von 100.000 sind betroffen. Die Wahrscheinlichkeit an GPA zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Hierfür gibt es keine typischen Auslöser, eine familiäre Häufung von Autoimmunerkrankungen kann dazu beitragen, es gibt jedoch keine direkte Vererbung der Krankheit. Außerdem können bei Autoimmunerkrankungen Umwelteinflüsse oder Infekte eine Rolle spielen. Behandelt wird die GPA zunächst mit der Gabe von Cortison, dann folgt der Einsatz einer immunsuppressiven Therapie, wie zum Beispiel einer Antikörpertherapie, die alle sechs Monate angewandt wird. Generell gibt es ein Stufenschemata für die Behandlung, je nachdem, wie fortgeschritten die Krankheit ist; sind lebenswichtige Organe, wie Lunge, Nieren oder Herz, beteiligt, wird meist eine Antikörpertherapie verordnet. Noch vor 30 bis 40 Jahren wurden Patient:innen mit GPA mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit kurzfristig dialysepflichtig. Die Sterblichkeit war in der Vergangenheit ebenfalls sehr hoch. Heute ist die Krankheit dank neuer Medikamente viel besser behandelbar und den Patient:innen bleibt eine gute Lebensqualität erhalten. Nicht behandelt, kann die GPA sehr schnell dazuführen, dass die Nieren unwiderruflich geschädigt werden und eine Dialyse unvermeidbar wird.
Bildzeile:
Patientin E. Greve mit PD Dr. Alexander-Henrik Lukasz, Chefarzt der Klinik für Nieren- & Hochdruckkrankheiten, Rheumatologie, Dialyse des Krankenhauses Bethanien Moers.


