Entwicklung des „Freiraum Klingerhuf“
Testphase hat begonnen – Vielfältige Akteure unter einem Dach
Neukirchen-Vluyn Die Geschichte des Klingerhuf ist bunt, seine Zukunft ebenso: Gestern stellte die Stadtverwaltung zusammen mit dem Träger-Verein Freiraum Klingerhuf e.V. sowie den beteiligten Akteuren die Perspektiven für die neue Nutzung des Areals vor. Vom Nahrungswald bis Konzert, von Kneipenquiz über Yoga bis Mini-Mint-Lab reichen die Ideen und Vorhaben. Nun beginnt eine etwa dreijährige Testphase, in der Vorhaben und Zuständigkeiten erprobt werden. Danach sollen die Gebäude mit Fördergeldern saniert werden.
„Wir begehen hier heute einen großartigen Meilenstein“, so Bürgermeister Dirk Schauenberg anlässlich des Pressegesprächs. „So viele Beteiligte zu vereinen, die derart vielfältige Angebote schaffen werden, ist wirklich herausragend. Alle Partner ziehen an einem Strang: Den Klingerhuf und damit Neukirchen-Vluyn zu bereichern.“
2023 beauftragte der Stadtrat den Verein Permakultur Niederrhein e.V. damit, die Projektidee eines „Reallabors Permakultur Klingerhuf“ zu konkretisieren und ein Konzept zur geplanten Nutzung des ehemaligen Fußballareals am Klingerhuf zu erstellen. Mit Beschluss des Rates zur Umsetzung des Konzepts wurde die Verantwortung für die einzelnen Projektbausteine auf verschiedene Akteure übertragen und Anfang 2026 ein Trägerverein begründet. Dieser wird künftig die Initiativen und Aktivitäten bündeln und koordinieren.
Dem Trägerverein Freiraum Klingerhuf e. V. gehören als Vereinsmitglieder die Stadt Neukirchen-Vluyn, die Hochschule Rhein-Waal, Kulturprojekte Niederrhein e.V. sowie Permakultur Niederrhein e.V. an. Sie sind gemeinsam verantwortlich für das Nutzungskonzept, das vom Rat für den Klingerhuf beschlossen wurde und das vielfältige Bausteine und Ziele vorsieht. Dazu zählt die Förderung von Gemeinschaft und Ehrenamt, Biodiversität und Ernährungsbewusstsein, Forschung, Kunst, Kultur sowie Heimatpflege und Tradition.
Die Vorhaben im Einzelnen Nahrungswald
Flaggschiff im Außenbereich ist der Nahrungswald. Bis zu 5.000 Quadratmeter sollen in den kommenden drei Jahren angelegt werden. Für die Umsetzung hat die Hochschule Rhein-Waal im Dezember 2025 einen Förderantrag gestellt für das Programm „Grüne Infrastruktur“, eine Bewilligung wurde für den 1.4.2026 in Aussicht gestellt. Beantragt sind die Pflanzung des Nahrungswaldes, Bildungsaktivitäten sowie eine Projektmanagementstelle für den Förderzeitraum von zweieinhalb Jahren. „Der essbare Permakulturpark soll als Forschungsort und Ort für Umweltbildung dienen, aber auch Gemeinschaftskultur und Begegnung fördern“, sagt Christopher Henrichs, Vorstand des Vereins. Angedacht ist auch ein Spendenkonzept, bei dem Paten Anteile an der Fläche erwerben und ihr beim Wachsen zusehen
Mini-MINT LAB
Der Verein Young Creatives (in Gründung), mit Mitarbeitenden aus der Hochschule Rhein-Waal, ist hauptverantwortlich für den geplanten außerschulischen Lernort. Das Mini-MINT-Lab soll Kindern und Jugendlichen einen Raum mit entsprechender Ausstattung bieten, um eigene Projektideen umzusetzen. Gleichzeitig möchte es Begeisterung für MINT-Themen wecken und langfristig zur Fachkräftesicherung beitragen.
„Konkret geht es um kreatives und kollaboratives Arbeiten, das sich an der Kultur der Maker-Bewegung orientiert“, erläutert Kathrin Smolarczyk. „Mit 3D-Druckern und Mikrokontrollern können eigene Ideen schnell umsetzbar und greifbar werden. Entscheidend ist, dass junge Menschen hier nicht nur Technik ausprobieren, sondern über längere Zeit an eigenen Projekten wachsen und Selbstwirksamkeit erleben.“
Die Young Creatives begleiten den Aufbau und Betrieb des Labs sowohl fachlich als auch didaktisch. Für die Einrichtung des Labs stehen Fördermittel in Aussicht.
Kunst und Kultur
Kulturprojekte Niederrhein e.V., mittlerweile etablierter Player in der Region, ist ebenfalls mit im Boot und zeichnet für Angebote für Kunst und Kultur verantwortlich. Rüdiger Eichholtz: „Erste Konzerte haben bereits stattgefunden, eine neue Reihe wurde für 2026 aufgelegt, „Freiraumjazz im Klingerhuf.“ Das Gebäude und die Flächen bieten optimale Bedingungen für Kulturangebote der besonderen Art.“
Tradition und Heimatpflege
Das ganze Areal wird erschlossen durch das Eingangsportal mit dem Schriftzug „Kampfbahn Klingerhuf.“ Diesem bedeutenden Eingangsbereich widmen sich der Heimat- und Verkehrsverein Neukirchen zusammen mit der Schlosserkameradschaft. Josef Schröder, ehemaliger Bergmann, und Thomas Stralka vom Heimat- und Verkehrsverein sind sich dabei einig: Auch, wenn die Zeche unter Tage nicht mehr zugänglich ist, die Relikte über Tage können ebenso dazu beitragen, die Geschichte zu erhalten. Denn: Die Kampfbahn samt Portal war Anfang der 1950er Jahre von der Zeche gesponsert und durch zahlreiche Beschäftigte gebaut und instandgehalten worden.
Ehrenamtliches Engagement
Die Räumlichkeiten des Vereinsheims sowie die umgebenden Flächen sollen ausdrücklich der Öffentlichkeit und ehrenamtlichen Initiativen und Vereinen zur Verfügung stehen. In Kürze erfolgt der Einbau einer Küche, sodass Angebote wie Kochkurse möglich sind. Geplant sind außerdem – in der ehemaligen Kneipe – Kneipenquizabende, die Nutzung des Saals für Gymnastik, Yoga, Chorproben, Lesungen, Diskussionsrunden oder Mitgliederversammlungen. Um die Räume fit zu machen, wurde in den letzten Wochen fleißig renoviert. Tatkräftige Unterstützung kommt dabei von einer altersgemischten Gruppe zwischen 20 und 80 Jahren, die jedes Wochenende mit anpackt. Michelle Gaflick, 22 Jahre, ist eine von ihnen: „Wir wollen generationenübergreifend etwas bewirken und den Charme des Gebäudes erhalten. Man sieht, dass man etwas daraus machen kann, und dann ist man einfach dabei.“
„Wir freuen uns über viele weitere Fördermitglieder, die mit ihrem Mitgliedschaftsbeitrag, aber gern auch mit aktiver Hilfe unterstützen. Diese kann sehr vielseitig sein, zum Beispiel im Bereich Nahrungswald, Auf- und Abbau bei Veranstaltungen oder der Pflege des Außengeländes“, sagt Ulrike Reichelt von der Stadtverwaltung, die diese im Vorstand vertritt und vor allem passende Fördermittelzugänge für die Projektbausteine ermittelt sowie bei Antragstellungen unterstützt.
Wer Interesse hat und sich beteiligen möchte, meldet sich bei ulrike.reichelt@neukirchen-vluyn.de.
Sanierung der Gebäude
Nach der etwa dreijährigen Testphase wird angestrebt, das Vereinsheim und das Sanitärgebäude zu sanieren. Die Bauten aus dem Jahr 1951 sind derzeit funktional. Die Testphase wird zeigen, ob ggf. Umbauten erforderlich sind. Da das Areal Klingerhuf als Baustein in verschiedenen Stadtentwicklungskonzepten geführt wird, ist eine Beantragung und Bewilligung von Fördermitteln realistisch. Aktuell wird bereits ein Sanierungsgutachten erarbeitet.
Bildzeile: v.l. Elke Maatz, Christopher Henrichs und Christoph Hügel (alle Permakultur e.V.), Bürgermeister Dirk Schauenberg, Ulrike Reichelt (Stadt Neukirchen-Vluyn), Rüdiger Eichholtz (Kulturprojekte Niederrhein e.V.), Josef Schröder (Schlosserkameradschaft), Jürgen Siebrands und Thomas Stralke (Heimat- und Verkehrsverein Neukirchen), Kathrin Smolarczyk (Hochschule Rhein-Waal) und Michelle Gaflick haben die Zukunft des Freiraums Klingerhuf im Blick.
Foto: Stadt Neukirchen-Vluyn/Sabrina Daubenspeck



