Moers

Bethanien: Extremfrühgeborene Drillinge können gesund und munter nach Hause entlassen werden

Happy End nach 130 Tagen Krankenhausaufenthalt

Als die mit Drillingen schwangere Zerrin Mintas am 26. August 2025 in der 25. Schwangerschaftswoche (SSW) stationär im Krankenhaus Bethanien Moers aufgenommen wurde, brachen aufregende und teils auch aufreibende Tage für sie, ihren Mann Hüseyin Mintas und das pflegerische und ärztliche Team an. Nach 130 Tagen Aufenthalt konnten Eslem, Ikra und Hafsa am 06. Januar 2026 schließlich mit ihren Eltern das Krankenhaus verlassen.

Expert:innen für Mehrlingsgeburten
„Bis zur etwa 25. SSW verlief die Schwangerschaft meiner Frau reibungslos, wir wurden engmaschig betreut“, erklärt Vater Hüseyin Mintas. Im August bemerkte Zerrin Mintas jedoch, dass irgendetwas nicht stimmt: „Meine Gynäkologin stellte bei einer darauffolgenden Untersuchung fest, dass starke Frühgeburtsbestrebungen vorliegen. Ich wurde dann umgehend stationär aufgenommen.“ Als Perinatalzentrum Level 1, eine Einrichtung der höchsten Versorgungsstufe für Frühgeborene, sind die Geburtsklinik und die Kinderklinik des Krankenhauses Bethanien Moers auf Risikoschwangerschaften bzw. -geburten spezialisiert. „Wir halten hierzu ein multiprofessionelles Team vor, das bestens für solche Fälle ausgebildet ist. Denn die besondere Herausforderung liegt unter anderem darin, dass vor allem das nötige Personal in Pflege und Medizin da sein muss. Denn bei einer Hochrisikoentbindung, wie einer extrem frühen Drillingsfrühgeburt, werden pro Baby mindestens zwei Kinderärztinnen bzw.
-ärzte und zwei Intensivfachpflegefachkräfte neben einer Hebamme, zwei ärztlichen Geburtshelferinnen bzw. -helfern, einer Anästhesistin bzw. einem Anästhesisten, einer Anästhesiekraft und zwei OP-Pflegekräften vorgehalten. Bei einer extremen Drillingsfrühgeburt per Kaiserschnitt sind demnach mindestens 15 hochqualifizierte Fachkräfte beteiligt, die notfalls 24/7 bereitstehen müssen“, so die beiden verantwortlichen Chefärzte Dr. Gündüz Selcan, Chefarzt der Klinik für Kinder- & Jugendmedizin, und Dr. Peter Tönnies, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie, Geburtshilfe, Gynäkologische Onkologie & Senologie. Eine enge Absprache zwischen allen Beteiligten finde bereits vorher statt. Jeden Tag werde dazu neu geschaut, wie der Gesundheitszustand von Mutter und Kindern sei. Da sich dieser bei der Drillingsmutter zunehmend verschlechterte, musste wenige Tage nach der stationären Aufnahme gehandelt werden. Am 30. August 2025 traf man die gemeinsame Entscheidung die Babys per Kaiserschnitt zu holen. „Man ist dann immer etwas in der Bredouille. Selbst, wenn Mehrlingsschwangerschaften generell kürzer verlaufen, versucht man im Idealfall bis zur 35. SSW zu kommen. Man wägt ab: Wie geht es der Mutter, wie geht es den Kindern? Am Ende geht es hier um das Leben von insgesamt vier Personen. Gerade bei so einer extremen Frühgeburtlichkeit“, betont Dr. Selcan. Dr. Almut Raabe, Leitende Oberärztin der Klinik für Gynäkologie, Geburtshilfe, Gynäkologische Onkologie & Senologie, und als Geburtshelferin entscheidend beteiligt, fügt hinzu: „Es ist immer unser gemeinsames Bestreben, die Kinder so lange wie möglich, und natürlich medizinisch vertretbar, im Mutterleib zu behalten. Man kämpft um jeden Tag, um lange und weit zu kommen. Das war auch bei Familie Mintas der Fall. Trotz der verschiedensten Hürden gelang es uns, dann doch noch bis zur 26. Schwangerschaftswoche zu kommen.“ 

130 Tage geprägt von Höhen und Tiefen
„Als feststand, dass Ikra, Eslem und Hafsa am 30. August per Kaiserschnitt geholt werden sollten, war es unglaublich zu sehen, wie viele Menschen im OP standen. Zwischen 19 Uhr, als das Ganze festgelegt wurde, und 23 Uhr, als es dann losging, sind so viele zusammen-gekommen. Einer der Ärzte hatte an dem Tag sogar Geburtstag und ist extra länger geblieben. Das alles hat uns sehr beeindruckt“, erklärt das Moerser Ehepaar. Katharina Luczak und Dr. Sabine Labus, Oberärztinnen der Klinik für Kinder- & Jugendmedizin, beschreiben die damalige Situation so: „In solchen Momenten steht man als Team zusammen. Dazu haben viele Kolleginnen und Kollegen alles stehen und liegen gelassen, sind von zu Hause oder aus dem Dienstfrei gekommen. Man fiebert immer mit und freut sich dann, dass alle drei Babys gut auf die Welt gekommen sind.“ Dr. Tönnies fügt an: „Es ist ein tolles Gefühl, dass man sich in diesem großen multiprofessionellen Team aufeinander verlassen kann und füreinander da ist.“

Die sogenannten Krisen treten bei Extremfrühgeborenen meist erst später auf. Das war auch bei Eslem, Ikra und Hafsa der Fall. Dr. Selcan fasst zusammen: „Zunächst haben alle drei selbstständig geatmet. Im Verlauf mussten zwei der Babys künstlich beatmet werden. Eines der Mädchen wog gerade einmal 530 Gramm. Außerdem trat bei einem Frühgeborenen eine Lungenkomplikation auf. So etwas muss schnellstmöglich behandelt werden. Ein weiterer Punkt bei allen dreien waren Probleme mit dem Herz, die zwingend operativ behandelt werden mussten. Dr. Labus: „Das war auf jeden Fall für alle ein einschneidendes Erlebnis. Zeitgleich wurden die Babys aufgrund ihrer unterschiedlichen gesundheitlichen Situation an verschiedenen Orten wegen ihrer Herzprobleme behandelt. Ein Baby blieb bei uns. Eins wurde per Helikopter in eine Klinik nach Bonn geflogen und eins kam in das Herzzentrum nach Duisburg, wo die Eingriffe innerhalb eines Tages bzw. wenige Tage später durchgeführt wurden. Zusammenfassend hat das bei allen erfolgreich funktioniert.“ Vater Hüseyin Mintas erklärt: „Während der Zeit, als die Eingriffe an den Herzen stattgefunden haben, haben wir rund 3.000 Kilometer mit dem Auto zurückgelegt, um alle drei zu besuchen und sehen zu können.“ Dem stimmt auch Petra Hübbers, Leitung der Frühgeborenen(intensiv)station am Krankenhaus Bethanien, zu: „Die Eltern selbst haben in den letzten Wochen wirklich einen Spagat hingelegt, um allen drei Kindern gleich gerecht zu werden. Sie waren Tag und Nacht für die drei da und haben teilweise erstaunliche Strecken auf sich genommen.“ Dr. Selcan fügt an: „Bei dieser Geschichte ist es im Übrigen wirklich ein Wunder, dass keines der Babys eine Hirnblutung gehabt hat. Diese kommen in solchen Fällen leider nicht selten vor und haben einen entscheidenden Einfluss auf die spätere Entwicklung der Kinder.“ Corinna Skowronek, Leitende Hebamme am Krankenhaus Bethanien, ergänzt: „Ich finde es bemerkenswert, dass die Mutter alle drei Babys stillt bzw. stillen kann – und ihnen damit eine (Teil-)ernährung mit Muttermilch ermöglicht. Das ist aus verschiedensten Gründen gar nicht immer selbstverständlich. Ebenso eindrucksvoll war es für uns als Hebammenteam zu sehen, wie motiviert und mit gefühlt stets guter Laune die Eltern Tag und Nacht für ihre Kinder da waren.“

In den nachfolgenden Wochen konnten alle drei Babys schließlich nach und nach eine immer stabilere Wachstumsphase und einen guten Gesundheitszustand vorweisen. „Das Ganze macht uns natürlich stolz. Es ist ein tolles Gefühl, zu sehen, dass die Babys nach Hause entlassen werden können; dass wir es geschafft haben und die Geschichte ein Happy End genommen hat“, erklären die Verantwortlichen einstimmig.

Positive Resonanz
Die Drillingseltern sind sich einig: „Wir haben uns in dieser durchaus sehr belastenden Zeit an den positiven Dingen festgehalten. Als eine der drei Mädchen für die Herz-OP nach Bonn geflogen wurde, haben wir uns beispielsweise gesagt, wie toll es ist, dass sie so jung schon einen Helikopterflug erlebt. Wir haben in diesen rund 130 Tagen sehr viele sehr nette Menschen kennengelernt, das ist fast schon wie eine Familie. Auch bei dem extremen Stress, der hier manchmal herrscht, hat man sich immer Zeit für uns und unsere Fragen genommen.“ Mutter Zerrin Mintas erklärt mit einem Lächeln: „Wir sind allen hier unsagbar dankbar. So ein großes Team hat so viel gegeben, damit es uns heute so gut geht.“ Angesprochen auf Tipps für Eltern, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, erklären die beiden: „Wichtig ist, dass man auch in so einer Situation nicht alleine ist. Man darf sich bewusst machen, dass man Unterstützung braucht und diese auch annehmen. Man braucht jemanden, der oder die zuhört. Unsere Familie war immer für uns erreichbar und hat uns unter die Arme gegriffen. Wir freuen uns jetzt auf unser Zuhause und darauf, mit unseren Kindern alles nachzuholen, was in den letzten Wochen vielleicht zu kurzgekommen ist.“

Übrigens:
Im Jahr 2025 kümmerte sich das Team des Perinatalzentrums Level 1 am Krankenhaus Bethanien Moers um insgesamt 26 Kinder, die unter einem Geburtsgewicht von 1.250 Gramm auf die Welt gekommen sind. Die erforderlichen Strukturmerkmale und Mindestzahlen, die jedes Jahr aufs Neue überprüft werden, wurden damit erneut nachgewiesen. 

Bildzeile:
Familie Mintas mit einem Teil des Teams des Perinatalzentrums am Krankenhaus Bethanien Moers am Tag der Entlassung.

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