Duisburg

30 Jahre TIAD: Iftarabend in Duisburg setzt starkes Zeichen für Zusammenhalt

Ein traditionsreicher Abend mit politischer und gesellschaftlicher Strahlkraft

Zum 30. Jubiläum des Türkisch‑Deutschen Unternehmer- und Akademikerverbands (TIAD e.V.) fand in Duisburg ein festlicher Iftarabend statt, der weit mehr war als ein gemeinsames Fastenbrechen. In der Waldborn Eventlocation kamen hochrangige Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um ein deutliches Signal für Dialog, Respekt und gesellschaftliche Verantwortung zu setzen.

Unter den Gästen befanden sich der türkische Generalkonsul Ali İhsan İzbul, die Bundestagsabgeordneten Mahmut Özdemir (SPD) und Mirze Edis (Die Linke) sowie Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD).

Die Moderation übernahm Elif Aşkın.

TIAD als Brückenbauer der Stadtgesellschaft

TIAD‑Vorsitzender İsmail Ünal eröffnete den Abend mit einer Rede, in der er die Bedeutung des Iftars als Ort der Begegnung hervorhob. Er erinnerte daran, dass der Verband seit drei Jahrzehnten nicht nur wirtschaftliche Akteure vernetzt, sondern auch aktiv das gesellschaftliche Leben in Duisburg mitgestaltet – von Weihnachtsaktionen über Karnevalsengagement bis hin zu Projekten zur Stärkung der Innenstadt.

Ünal betonte, dass TIAD sich als festen Bestandteil der Stadt verstehe: Duisburg sei nicht nur Standort, sondern Heimat. Diese Heimat entstehe durch Verantwortung, Teilhabe und die bewussten Miteinander verschiedenen Kulturen. Er dankte den politischen Vertreterinnen und Vertretern für ihre langjährige Unterstützung und würdigte die Rolle der Medien sowie der TIAD‑Mitglieder, die diese Tradition tragen.

Mahmut Özdemir: Hunger als Metapher für Frieden und Zusammenhalt

In seiner Ansprache nutzte Bundestagsabgeordneter Mahmut Özdemir den Begriff „Hunger“ als Bild für das menschliche Bedürfnis nach Frieden, Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Harmonie. Duisburg sei ein Beispiel dafür, wie unterschiedliche Religionen und Kulturen gemeinsam leben – von christlichen Festen über muslimische Traditionen bis hin zur Solidarität mit der jüdischen Gemeinde.

Özdemir erinnerte daran, dass Menschen mit Einwanderungsgeschichte längst tragende Rollen in Deutschland übernehmen: als Lehrkräfte, Ärztinnen, Anwälte oder Handwerksmeister. Die alte Vorstellung vom „Gastarbeiter“ sei überholt. Gleichzeitig warnte er vor wachsendem Rassismus und forderte den Schutz aller religiösen Einrichtungen sowie eine klare Haltung gegen Extremismus und Populismus. Wer über Jahrzehnte zum Wohl des Landes beigetragen habe, verdiene Anerkennung – auch in Form der Staatsbürgerschaft.

Sören Link: Heimat entsteht durch Engagement

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link begrüßte die Gäste mit einem herzlichen „Hoşgeldiniz“ und stellte den Heimatbegriff in den Mittelpunkt seiner Rede. Heimat sei nicht nur der Ort, an dem man geboren werde, sondern auch der Ort, den man durch Arbeit, Engagement und gesellschaftliche Teilhabe mitgestalte.

Link würdigte die Rolle der Einwanderergenerationen, die Duisburg über Jahrzehnte geprägt und zu ihrer Heimat gemacht hätten. TIAD sei seit 30 Jahren ein wichtiger Motor für gesellschaftliche Teilhabe. „Diese Stadt gehört uns allen“, betonte Link und rief dazu auf, nicht nur an besonderen Tagen, sondern das ganze Jahr über gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

Mirze Edis: Wirtschaftliche Stabilität als Schutz vor Ausgrenzung

Bundestagsabgeordneter Mirze Edis hob die Leistungen türkischstämmiger Unternehmerinnen und Unternehmer hervor, die aus Arbeiterfamilien heraus mutig Betriebe aufgebaut und Arbeitsplätze geschaffen hätten. Auch Akademikerinnen und Akademiker mit türkischen Wurzeln hätten durch großen Einsatz wichtige Positionen in Medizin, Justiz und Bildung erreicht.

Edis, selbst langjähriger Mitarbeiter und Gewerkschafter bei ThyssenKrupp, warnte jedoch vor den Folgen wirtschaftlicher Unsicherheit. Wo Arbeitsplätze gefährdet seien, wachse häufig auch die Anfälligkeit für rassistische Tendenzen. Politik und Wirtschaft müssten daher gemeinsam Verantwortung übernehmen, um Beschäftigung zu sichern und gesellschaftlichen Frieden zu stärken.

Generalkonsul Ali İhsan İzbul: Digitalisierung und Bildung als Zukunftsaufgabe

Der türkische Generalkonsul Ali İhsan İzbul betonte die Bedeutung der deutsch‑türkischen Beziehungen und würdigte die Rolle der türkischen Community in Deutschland. Er hob hervor, dass das Konsulat seine Dienstleistungen zunehmend digitalisiere, um Bürgerinnen und Bürgern schnellere und effizientere Abläufe zu ermöglichen. Viele konsularische Vorgänge könnten inzwischen bequem über das türkische E‑Government‑System erledigt werden.

Besonders erfreut zeigte sich İzbul über das wachsende Interesse an Türkischunterricht, das durch die Arbeit des Bildungsattachés weiter gestärkt werde. Die Pflege der Muttersprache spiele eine zentrale Rolle für die Bindung junger Menschen an ihre kulturellen Wurzeln – eine Aufgabe, bei der auch Vereine wie TIAD eine wichtige Rolle spielten.

Von links: TIAD-Vorsitzender Ismail Ünal und Zülfiye Kaykin, Mitglied des ATİK-Diplomatenrates und ehemalige Staatssekretärin.

Ein Abend des Dialogs und der Begegnung

Der Iftarabend bot bis in die späten Abendstunden Raum für Gespräche, Austausch und Vernetzung. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft nutzten die Gelegenheit, um miteinander ins Gespräch zu kommen und die Bedeutung eines starken gesellschaftlichen Zusammenhalts zu unterstreichen.

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