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Besucherrekord bei Mahnwache:  Mit Kaffee, Kuchen und rockigen Klängen gegen den Kiesabba Neukirchen-Vluyn. 

Besucherrekord bei Mahnwache:  Mit Kaffee, Kuchen und rockigen Klängen gegen den Kiesabba Neukirchen-Vluyn. 

Mindestens 350 Besucher:innen, wahrscheinlich mehr, freuten sich bei bestem Frühlingswetter am vergangenen Sonntag über eine besondere Mahnwache auf Noltanien. Denn erstmals gab es auf dem Hof von Familie Nolte musikalische Unterstützung im pinken Widerstand gegen den Kiesabbau: Die bekannten Gitarristen Paul Quinn (Saxon) und Klaus Vanscheidt (Doro) präsentierten – als Premiere in dieser Kombination – einen Mix aus Rockblues und Beatles-Songs. Vor, hinter und auf der improvisierten Bühne wurden sie unterstützt vom Team des Aktionsbündnisses #daspinkekreuz, das sich eigens für das Mini-Konzert in „pinke Schale“ geworfen hat.

Eigentlich sind die beiden Musiker große Bühnen wie beim Rockfestival des Wacken Open Air gewohnt. Am vergangenen Sonntag spielten sie rund 40 Minuten auf der pink angestrahlten Ladefläche eines LKW im Innenhof zwischen Scheune und Wohnhaus von Familie Nolte. „Es ist ein tolles Gefühl, erstmals seit Monaten wieder vor Publikum zu spielen“, freut sich Klaus Vanscheidt. Beatles-Klassiker wie „Get back“, „Yesterday“ und „Hey Jude“ begeistern die Mahnwachen-Gäste, die zum Schluss nach einer Zugabe rufen. Den finalen Song, John Lennons “Imagine“, widmet der Künstler, der in Mülheim an der Ruhr lebt, den aktuellen Kriegsereignissen in der Ukraine.

Als er und Paul Quinn von Vera Badder, eine der Aktiven im Aktionsbündnis #daspinkekreuz, für einen gemeinsamen Gig angefragt werden, sind sie sofort bereit, sich mit mit dem Widerstand gegen den Kiesabbau zu solidarisieren. Vanscheidt: „Wir wollen nicht akzeptieren, dass hier rund 180 Hektar dieser schönen Gegend, eine Fläche in der Größenordnung von 154 Fußballfeldern, künftig Baggern und Förderbändern weichen sollen. Und mittendrin dieser Hof, auf dem wir hier stehen. Für uns war daher klar, dass wir unseren Beitrag gegen die Abbaupläne leisten wollen.“ Und dies nicht zum letzten Mal, wie er zum Abschied in Aussicht stellt.

Auch Paul Quinn ist gegen den Kiesabbau. Aktuell verbringt der extra aus England angereiste Musiker wie in jedem Jahr zwei bis drei Wochen bei seinen langjährigen Freunden John und Vera Badder. Quinn betrachtet den Niederrhein als „home from home“, als zweite Heimat. Zum Urlaub in Neukirchen-Vluyn gehören für ihn regelmäßige Spaziergänge durch die niederrheinische Donkenlandschaft, die als künftige Kiesabbaufläche ausgewiesen werden soll. „Dieses Ausmaß an Zerstörung und Ausbeutung geht gar nicht,“ empört sich der 70-Jährige aus Barnsley, während er vom Hof aus über die potentielle Abbaufläche hinweg bis zur Halde Norddeutschland blickt. Dort findet jedes Jahr im Juli das Dong Open Air statt.

Das kleine Schwesterfestival des Wacken Open Air zieht jedes Jahr rund 3.500 Heavy-Metal-Fans aus der Region und weit darüber hinaus an. Daher rechnen Quinn und Vanscheidt fest mit dem Widerstand vieler Festivalfreund:innen. „Wenn der Kiesabbau kommen sollte, sehen wir das Dong Open Air in Gefahr, da die Abbauflächen bis an die Halde heranreichen werden,“ befürchten die beiden Gitarristen und werben daher aktiv für die Einsprüche gegen den Kiesabbau.

Noch bis zum 29.04.22 können die Einsprüche gegen den Kiesabbau postalisch beim Regionalverband Ruhr oder online über das RVR-Kontaktformular oder per E-Mail an regionalplanung@rvr.ruhr eingereicht werden. Vordrucke mit Begründungsvorschlägen zum Herunterladen gibt es auf www.daspinkekreuz.de (mit weiteren aktuellen Nachrichten und Informationen) oder als Ausdruck bei den sonntäglichen Mahnwachen. Hier können die ausgefüllten Einsprüche direkt zur Weiterleitung abgegeben werden – sonntags persönlich oder jederzeit als Einwurf in den pinken Briefkasten am Hofeingang.

Text: Anja R. Steinhoff
Photo: Birdie Produktion

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