Werbung
Gesundheit

Sicher und gesund durch die heißen Tage

Sicher und gesund durch die heißen Tage

Häufigere und länger anhaltende Hitzeperioden sind längst kein Randthema mehr, sondern eine reale Gesundheitsgefahr für Beschäftigte, insbesondere bei Arbeitsplätzen im Freien, wie z. B. im Bauhandwerk, der Landwirtschaft, dem Straßenbau oder in Bäderbetrieben. Aber auch Beschäftigte in Innenräumen sind betroffen. Bei körperlich anstrengender Arbeit, bei der ggf. zusätzlich Arbeitsschutzkleidung getragen oder auf heißen Oberflächen wie Dächern gearbeitet werden muss, nehmen diese Belastungen zu. Über die betriebliche Ebene hinaus wirkt Hitze auch systemisch: Rettungsdienste geraten an Hitzetagen durch gehäufte hitzebedingte Notfälle an Kapazitätsgrenzen, während Verkehrs-, Energie- und Gebäudeinfrastruktur Schäden davonträgt – Effekte, die betriebliche Abläufe zusätzlich beeinträchtigen können.

Früh starten zahlt sich aus

Ein betrieblicher Hitzeschutzplan ist für jeden Betrieb das effektivste Mittel gegen saisonale Hitze, weil dadurch statt einzelner Maßnahmen ein systematisches Vorgehen möglich wird. Wer schon vor dem Sommer plant, kann rechtzeitig die erforderlichen Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz umsetzten – statt erst zu reagieren, wenn die erste Hitzewelle da ist. Das minimiert nicht nur Gesundheitsrisiken, sondern auch Produktivitätseinbußen und schafft langfristig Sicherheit.

Was hilft bei Arbeit im Freien?

Zur Unterstützung der Arbeitgeber bei der Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung und der Ableitung konkreter Schutzmaßnahmen hat der Ausschuss für Arbeitsstätten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales „Empfehlungen zur Beurteilung der Gefährdungen durch Hitze und Maßnahmen an Arbeitsplätzen in nicht allseits umschlossenen Arbeitsstätten und an Arbeitsplätzen im Freien“ entwickelt, die im August 2025 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales bekannt gemacht wurden.

Anhand der Beurteilungstemperatur (Lufttemperatur plus Korrekturfaktoren für Tätigkeit, Kleidung, Sonne, Schwüle und Wind) wird auch hier ein Stufenmodell genutzt:

Bei 26 Grad sollen, ab 30 Grad müssen Maßnahmen ergriffen werden, wie z. B. auf Baustellen die Verschattung durch Wetterschutzzelte oder Sonnensegel, Arbeitserleichterungen durch Hebe- und Tragehilfen, die Verlegung der Arbeitszeiten, die Vormontage von Bauteilen, die Einrichtung kühler Pausenräume (durch mobile Klimageräte) oder die Bereitstellung von Getränken.

Ab 35 Grad müssen weitere Schutzmaßnahmen, wie zusätzliche Entwärmungsphasen oder Kühlkleidung getroffen werden, um Gesundheitsschäden zu verhindern. Es ist vorgesehen, den Einsatz dieser Empfehlungen in der betrieblichen Praxis mit dem Ziel zu evaluieren, diese in die Technische Regel ASR A5.1 (Arbeitsstättenregel) mit höherer Verbindlichkeit zu überführen.

Und in Büros?

Für Innenräume unterstützt die ASR A3.5 Arbeitgeber dabei, im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung die aktuelle Raumtemperatur und die zu erwartende Hitzebelastung zu prüfen und entsprechende Schutzmaßnahmen abzuleiten. Ab 26 Grad soll der Arbeitgeber Maßnahmen wie etwa außenliegenden Sonnenschutz oder Lüftung ergreifen. Ab 30 Grad müssen wirksame Maßnahmen gemäß der Gefährdungsbeurteilung ergriffen werden, u. a. die Pflicht zur Bereitstellung von Trinkwasser. Ab 35 Grad dürfen Beschäftigte nur weiter tätig sein, wenn der Arbeitgeber noch zusätzliche geeignete Schutzmaßnahmen trifft, z. B. Luftduschen oder Wasserschleier, regelmäßige Abkühlpausen oder Kühlkleidung.

Handlungshilfe für Hitzeschutzpläne im Betrieb:

https://www.arbeit-sicher-und-gesund.de/themen/klimawandel/aktivitaeten/handlungshilfe-fuer-hitzeschutzplaene-im-betrieb

Kommunikationshilfen zur Hitzeprävention

Der Schutz vor den Auswirkungen von Hitze auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit spielt nicht nur im Urlaub, sondern auch im Beruf eine große Rolle. Ein wichtiger Baustein beim Hitzeschutz ist, über die Gefahren von Hitze aufzuklären und für diese zu sensibilisieren. Kommunikationshilfen und Leitfäden können dabei helfen, passende Strategien zu erarbeiten.

Illustration einer Person, die schwitzend neben einem riesigen Thermometer in praller Sonne steht.
© BMAS

Es wird heißer: Gab es von 1961 bis 1990 noch durchschnittlich 4,2 heiße Tage pro Jahr, waren es 1991 bis 2020 bereits 8,9 heiße Tage. Heiße Tage sind laut Klimaforschenden Tage, an denen das Thermometer über 30 Grad Celsius steigt. Laut der aktuellen Klimawirkungs- und Risikoanalyse des Bundesumweltamts ist bis zum Ende des Jahrhunderts in Deutschland jährlich mit bis zu 40 heißen Tagen pro Jahr zu rechnen – mit drastischen Auswirkungen für Mensch und Natur.

Zunehmende Hitze hat auch weitreichende Folgen für die Arbeitswelt. Hohe Temperaturen bringen bereits jetzt akute Gefährdungen für die Gesundheit mit sich, wie etwa Hitzeerschöpfung, Schwindel, Kopfschmerzen oder Dehydration. Im schlimmsten Fall kann sogar ein tödlicher Hitzschlag drohen. Besonders körperlich anstrengende Tätigkeiten, Arbeit in Schutzkleidung und Arbeit im Freien können beschwerlich und gefährlich werden. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Folgen, wenn Beschäftigte aufgrund gesundheitlicher Belastungen ausfallen, denn für Betriebe gehen hohe Krankenstände einher mit Produktivitätseinbußen.

Aber auch langfristige Auswirkungen sind möglich: Hitze bedeutet Stress für das Herz-Kreislaufsystem, schränkt die Konzentrationsfähigkeit ein und kann zu mehr Arbeitsunfällen führen. Laut DAK Gesundheitsreport 2024 berichten 53 Prozent der Arbeitnehmenden von einer verringerten Leistungsfähigkeit bei Hitze, 19 Prozent erleben gesundheitliche Einschränkungen. Nicht alle Unternehmen adressieren diese Herausforderungen und Gefährdungen bereits systematisch. So machen sich 28 Prozent der Belegschaft Sorgen, dass ihr Betrieb langfristig nicht ausreichend auf wiederkehrende Hitzeperioden vorbereitet ist.

Wirksamer Hitzeschutz bedeutet deshalb auch: Zu den Risiken aufklären, mit den Beschäftigten kommunizieren, gemeinsam Belastungen und Gefährdungen identifizieren und Gegenmaßnahmen erarbeiten.

Studien zeigen, dass das Risiko durch Hitze am Arbeitsplatz von vielen Beschäftigten und Führungskräften noch immer unterschätzt wird. Eine wichtige Präventionsstrategie ist es daher, die Akteure in der Arbeitswelt für die gesundheitlichen Risiken durch Hitze zu sensibilisieren und über Hitzeschutzmaßnahmen zu informieren.

Dr. Stefanie BühnKLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V.

Leitfäden und Checklisten helfen beim Hitzeschutz

Unterstützung bieten Informationsmaterialien für Betriebe und Einrichtungen. Sie helfen dabei, gezielte Kommunikationsstrategien für Hitze und den damit einhergehenden Gefahren zu erarbeiten. Für den Schutz besonders schutzbedürftiger Gruppen, wie etwa Kinder, Wohnungslose oder ältere Menschen, hat das Bundesgesundheitsministerium in Zusammenarbeit mit der Deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit (KLUG) und der auf Kommunikation und Ökologie spezialisierten Agentur ecolo Leitfäden und Checklisten erstellt. Auf den Seiten des Hitzeservice stehen beispielsweise Hilfen bereit zur Ansprache von Beschäftigten im Freien oder Pflegebedürftigen.

Die Materialien enthalten hilfreiche Tipps und detaillierte Checklisten. Sie helfen Unternehmen, Kommunen und Einrichtungen bei der Umsetzung entsprechender Hitzeschutzkonzepte. Hier gelangen Sie zu den gesamten Materialien „Ansprache von Risikogruppen“ des Hitzeservice.

Bestehende betriebliche Strukturen, Prozesse und Kommunikationskanäle bieten gute Ansatzpunkte, um Beschäftigte über die Zusammenhänge von Hitze und Gesundheit zu informieren und gemeinsam Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.

Dr. Stefanie BühnKLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V.

Anzeige
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"